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Zuflucht im Elternbett

Die Mutter ist verzweifelt, weil die Tochter nicht alleine schlafen will. Der Experte rät zu Verständnis.

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Illustration: Jens Bonnke
28. August 2018

Unsere Tochter ist zwei Jahre alt und möchte immer noch nicht alleine in ihrem Bett schlafen. Einer von uns muss jeden Abend bei ihr bleiben, damit sie einschlafen kann. Wenn sie gegen 23 Uhr erwacht, geht das Theater los. Aus Mitleid lassen wir sie dann in unser Bett. Einfach schreien lassen bringe ich auch nicht übers Herz. Ich bin völlig am Verzweifeln. Wissen Sie Rat?

Nadja Z., Ostermundigen

Jérôme Lacourrège

Hello-Family-Blogger und Vater von zwei Kindern.

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Warum möchten Sie denn nicht, dass Ihre Tochter bei Ihnen im Bett schläft? Schlägt ein Kleinkind im Bett auf die Schlafqualität? Vermissen Sie die ungestörte Zweisamkeit mit Ihrem Partner? Das sind absolut legitime Gründe, sich zu wünschen, dass Ihre Tochter endlich in ihrem eigenen Zimmer schlafen soll. Haben Sie sich aber auch gefragt, warum Ihre Tochter nicht in ihrem Bettchen schlafen will?

Gemäss Ihren Ausführungen scheint sie noch nicht bereit zu sein für diesen grossen Schritt. Es gibt ja Verfechter der Theorie, dass alle Babys und Kleinkinder alleine schlafen lernen können und man diese durchaus auch schreien lassen soll. Ich finde das schrecklich. Sie sagen ja selber, dass Sie es nicht übers Herz bringen, sie schreien zu lassen. Also hören Sie auf Ihr Gefühl und die Bedürfnisse Ihrer Tochter. Wenn sie verängstigt zu Ihnen möchte und Sie mit Ablehnung reagieren, machen Sie die Situation nur schlimmer.

Als unsere Tochter so alt war wie Ihre jetzt, wollte sie auch wieder in unserem Bett schlafen. Einige Male haben auch wir versucht, sie schlafend in ihr eigenes Bett zu tragen. Jedes Mal ist sie weinend erwacht und wollte wieder zurück zu uns. Sie brauchte unsere Nähe und wir haben das akzeptiert.

Für ein Kleinkind kann das Alleinsein ganz schön beängstigend wirken. Also warten Sie, bis Ihre Tochter selber zu dem grossen Schritt bereit ist. Sie können sie dabei unterstützen, indem Sie positive Anreize schaffen. Ein Nachtlicht, ein grosses Plüschtier, vertraute Geräusche und fixe Rituale vor dem Einschlafen helfen.

Irgendwann wird Ihre Tochter eine ganze Nacht im eigenen Zimmer schlafen. Und eine zweite. Und eine dritte. Sie wird ein grosses Mädchen sein. Deshalb: Geniessen Sie den Kleinkindatem im Nacken und die Patschhändchen im Gesicht. Denn schon sehr bald wird sie ihre Eltern nicht mehr in dieser Form brauchen. Und Sie werden wahrscheinlich wehmütig an die Zeiten denken, in denen sie noch zu Ihnen ins Bett kam.

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