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RATGEBER

Drei sind einer zu viel

Das Familienbett hat viele Vorteile und wird immer beliebter. Guter Schlaf ist aber nicht für alle Beteiligten garantiert.

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Illustration Jens Bonnke
16. September 2019

Unser Sohn (4) schläft seit seiner Geburt in unserem Bett. Am Anfang habe ich das verstanden und fand es schön, inzwischen braucht er aber viel Platz und schläft recht unruhig. Auch unser Liebesleben leidet darunter, dass wir immer einen Übernachtungsgast haben. Im Kinderzimmer will er aber auf keinen Fall schlafen. Meine Frau möchte ihn nicht zwingen und geniesst das Familienbett sehr. Wie können wir einen Kompromiss finden? Lukas B., Bern

Lieber Herr B.

«Ihr habt euer Baby bei euch im Bett? Passt nur auf, das Kind wird auch mit 18 noch bei euch schlafen!» Diese oder ähnliche Aussagen haben wir als Jungeltern leider immer wieder gehört, oft kombiniert mit der Schreckensvision, dass das Kind nun für den Rest unseres Lebens an unserem Rockzipfel hängen würde. Denn wie soll jemand, der als Baby nicht alleine in einem Zimmer schlafen konnte, jemals auf eigenen Beinen stehen? Solche Ängste sind unbegründet. Das Familienbett war historisch öfter die Regel als die Ausnahme und es feiert langsam wieder ein Comeback. Es gibt unzählige Gründe, die dafür sprechen, sich als Familie das Bett zu teilen. Das alles nützt Ihnen aber herzlich wenig, wenn Sie dabei nicht schlafen können.

Sehr viele Kinder verlassen das Familienbett im Alter von ungefähr drei Jahren auf eigene Initiative. Ihr Sohn ist nun vier Jahre alt; er sollte Ihnen also mitteilen können, warum er das nicht will. Hat er Angst? Fühlt er sich abgeschoben? Haben Sie schon versucht, bei ihm im eigenen Zimmer zu bleiben, bis er eingeschlafen ist? Eventuell hilft es auch, wenn er in seinem Zimmer ein «richtiges» Bett nach eigenen Vorstellungen bekommt. Machen Sie Ihrem Sohn klar, dass Sie als Eltern jederzeit für ihn da sind, wenn er Sie braucht. Auch wenn das nachts um drei ist. Einen einfachen Kompromiss werden Sie wohl kaum finden, eher pragmatische Lösungen. Wenn Sie im Familienbett nicht schlafen können, empfehle ich Ihnen das Gästezimmer. Schlaf ist wichtig. Mindestens so wichtig ist aber auch, dass Sie und Ihre Frau sich bei dieser Angelegenheit nicht gegenseitig sabotieren. Treten Sie als Team auf und kommunizieren Sie einheitlich.

Zu guter Letzt vermissen Sie die Nähe zu Ihrer Frau. Kinder verändern das Liebesleben stark. Das ist normal. Ich glaube, niemanden zu kennen, der etwas anderes behauptet. Auch hier müssen Sie wohl bis auf Weiteres eine pragmatische Lösung ausserhalb des Ehebettes finden.