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Nicht unter unserem Dach!

Wenn Jugendliche sexuell aktiv werden, sind Eltern oft überfordert. Verbote und Vorwürfe sind aber fehl am Platz.

20. Mai 2019

Unsere Tochter (14) ist das erste Mal so richtig verliebt. Sie hat seit zwei Monaten einen festen Freund und möchte nun, dass er bei ihr übernachten darf. Wir möchten das aber nicht, da sie so früh noch keine sexuellen Erfahrungen machen soll. Zudem empfinden wir einen regelmässigen Übernachtungsgast als störend. Leider versteht unsere Tochter das nicht, weshalb heftige Streitereien an der Tagesordnung sind. Was raten Sie uns?

Andrea W., Luzern

Nadja Zimmermann

Hello-
Family-
Bloggerin und Mutter von zwei Kindern.

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Hier finden Sie weitere Tipps von Nadja Zimmermann

Liebe Frau W.

In der Schweiz gilt die Bestimmung, dass sexuelle Handlungen unter 16 Jahren verboten sind. Das ist das sogenannte Schutzalter. Ausser, beide sind in einem ähnlichen Alter und der Altersunterschied beträgt nicht mehr als drei Jahre. Ich gehe hier nun mal davon aus. In diesem Fall machen die Kinder im Grunde nichts Unerlaubtes.

Es kommt der Zeitpunkt, wo wir loslassen und hoffen müssen, dass wir den Kindern all die Werte mitgeben konnten, die uns wichtig waren. Darauf vertrauen, dass das Kind das Richtige tut, auch wenn es sich für uns nicht richtig anfühlt. Wir müssen uns bewusst sein, dass jegliche Verbote das Kind dazu animieren können, Dinge heimlich zu tun. Dies mit dem möglichen unschönen Nebeneffekt, dass sich das Kind bei Unsicherheiten nicht mehr an Sie als Eltern wenden wird. Und gerade jetzt ist es von Vorteil, wenn sie einerseits wissen, was so läuft und anderseits da sind, wenn das Kind Sie braucht.

Streitigkeiten, Diskussionen und Verbote wirken sich in diesem Alter meist kontraproduktiv aus. Versuchen Sie das Thema deshalb in Ruhe anzugehen, behalten Sie aber im Hinterkopf, dass das Kind tun wird, was es selbst für richtig hält. Suchen Sie sich eine ruhige Minute und reden sie offen mit der Tochter über Ihre Bedenken, Sorgen und Ängste. Sprechen Sie, je nachdem wie weit dieses Wissen bereits vorhanden ist, auch über Verhütung und Gefahren. Sagen Sie aber auch, warum Sie nicht möchten, dass Ihre Tochter schon sexuelle Erfahrungen macht. Ohne Vorwürfe, ohne Manipulation, ohne Druck. Bitten Sie Ihre Tochter, ihre eigene Sichtweise zu schildern, hören Sie zu, unterbrechen Sie nicht. Versuchen Sie sich in Ihre Tochter hineinzuversetzen. Zeigen Sie Verständnis. Vielleicht finden Sie gar einen gemeinsamen Kompromiss.

Wichtig ist, dass Sie sich gegenseitig mit Respekt begegnen und die jeweilige andere Seite zu verstehen versuchen. Beide. Bedenken Sie ausserdem, dass Sie eher noch die Zügel in der Hand haben, wenn diese Begegnungen grundsätzlich in Ihrem Zuhause stattfinden.