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Schleckermaul ausser Kontrolle

Die kindliche Vorliebe für Süsses kann besorgniserregende Formen annehmen. Dann ist Konsequenz gefragt.

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Illustration: Jens Bonnke
24. Juni 2019

Unser Sohn (5) ist absolut süchtig nach Süssigkeiten. Das hat sich schon sehr früh gezeigt. Alle Versuche, ihn zu einem massvollen Konsum zu bewegen, sind gescheitert. Oft finden wir Schoggi- oder Zältlipapierli in seinen Hosentaschen. Inzwischen haben wir fast keine Süssigkeiten mehr im Haus, da er sich sonst an den Schränken selbst bedient. Was raten Sie? Wir können und wollen ihn nicht ständig kontrollieren.

Silvia K., Bern

Jérôme Lacourrège

Hello-Family-Blogger und Vater von zwei Kindern.

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Liebe Frau K.

Eines der allerersten Worte unseres Sohnes war «goggi». Damit meint er natürlich Schokolade. Genau wie seine grosse Schwester liebt er Süssigkeiten über alles. Das ist normal. Zumindest in meinem Umfeld kenne ich kein Kleinkind, das anders tickt.

Eine Zeit lang bewahrten wir die Schokolade in einer Schublade auf Kinderhöhe auf. Anfangs klappte das sehr gut: Klar, unsere Tochter fragte manchmal noch vor dem Frühstück, ob sie etwas Süsses essen dürfe, sie akzeptierte ein Nein jedoch. Doch mit der Zeit begann sie, wie Kleinkinder es halt gerne tun, ihre Grenzen auszuloten. Plötzlich fanden wir Osterhasen in ihrem Zimmer und immer mal wieder steckte sie sich spontan etwas Schokolade in den Mund. Dass dann am Abend das Essen nicht mehr wirklich gefragt war, liegt auf der Hand. Der massvolle, selbstbestimmte Konsum funktioniert also nicht nur bei Ihnen nicht.

Sie machen das schon richtig, wenn Sie nicht zu viele Süssigkeiten im Haus haben. Denn was nicht da ist, kann auch nicht gegessen werden. Bitten Sie auch Ihre Freunde und Verwandten, keine Süssigkeiten mitzubringen, wenn sie zu Besuch kommen. So reduzieren Sie ganz einfach die Versuchung.

Sie sollten Süsses auch nicht als Belohnung, zum Trost oder als Druckmittel einsetzen, dies könnte unter Umständen negative Auswirkungen bis ins Erwachsenenleben haben. Verteufeln Sie Süssigkeiten aber auch nicht. Wie so oft gilt auch hier: Was verboten ist, schmeckt umso süsser.

Seien Sie klar und konsequent. Süssgetränke gibt es zu Hause und auch unterwegs nicht, oder nur zu ganz speziellen Anlässen wie zum Beispiel an einem Geburtstag. Süssigkeiten gibt es nicht einfach so zwischendurch, sondern nur ganz bewusst einmal am Tag, zum Beispiel als Dessert. Und seien auch Sie ein Vorbild, was den Konsum von Süssigkeiten angeht.

Bei uns gilt ausserdem: Süsses bekommt nur, wer vorher auch etwas Gemüse gegessen hat. Das funktioniert erstaunlich gut.