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Mitgegangen, mitgehangen?

Beim Ladendiebstahl erwischt zu werden, hat üble Folgen. Sogar, wenn man selber gar nichts gestohlen hat.

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Illustration Jens Bonnke
05. November 2018

Vor einiger Zeit hat ein Kaufhausdetektiv meine beiden Kollegen (17) und mich (19) angehalten. Einer der beiden hatte anscheinend ein Tablet für über tausend Franken geklaut. Nun soll ich von der Polizei als beschuldigte Person wegen Diebstahls einvernommen werden. Damit habe ich aber wirklich nichts zu tun. Soll ich trotzdem hingehen? Die anderen beiden haben auch eine Vorladung, allerdings von der Jugendanwaltschaft, bekommen.

Noah W., Oerlikon

Daniel U. Walder

Rechtsanwalt

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Daniel U. Walder online

Lieber Noah W.

Nehmen Sie den Termin unbedingt wahr, denn wenn Sie unentschuldigt nicht hingehen, könnten Sie von der Polizei für die Befragung abgeholt werden.

Reden Sie über die Sache nicht (mehr) mit Ihren Kollegen. So vermeiden Sie den Vorwurf, man hätte sich abgesprochen. Da die beiden im Zeitpunkt der vorgeworfenen Tat noch nicht 18 Jahre alt waren, werden sie im Gegensatz zu Ihnen strafrechtlich noch nicht wie Erwachsene behandelt.

Auch wenn Sie persönlich wissen, dass Sie unschuldig sind, glaubt man Ihnen das nicht unbedingt von Anfang an. Es kommt sehr auf Ihre konkreten Aussagen an und wie wohlgesonnen Ihnen der zuständige Beamte oder die Beamtin ist. Die Unschuldsvermutung gilt zudem oftmals nur auf dem Papier.

Im Gegensatz zu Ihren Kollegen können Sie auch keinen Elternteil zur Einvernahme mitnehmen, was aber in solchen Fällen meist auch nicht ratsam wäre. Erstens kennen die Eltern die Verfahrensrechte nicht und können daher auch nicht intervenieren, wenn etwas nicht so läuft, wie es nach dem Gesetz sollte. Zweitens lauten die Aussagen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen oft nicht gleich, wenn die Eltern dabei sind. Verständlicherweise tendiert man dazu, sich in einem besseren Licht darzustellen und lässt vielleicht aus Scham etwas Wesentliches weg.

Engagieren Sie für diese Befragung lieber einen Anwalt. Bestenfalls regelt sich die Sache so mit einer einzigen Einvernahme und die zuständige Staatsanwaltschaft verfolgt Ihren Fall nicht weiter. Klären Sie vorgängig ab, was der Anwalt für einen Stundenansatz hat und seien Sie darauf gefasst, dass er einen Kostenvorschuss verlangt. Fragen Sie ihn auch, was Sie von ihm erwarten können. Und das Allerwichtigste überhaupt: Erzählen Sie ihm möglichst genau und ehrlich, was passiert ist. Nur so kann er seine Risikoanalyse richtig machen und Ihnen unter Umständen sogar raten, gar nichts zu sagen. Solche Ratschläge zum Aussageverhalten, wie auch den Rat, nur die gestellten Fragen kurz und klar zu beantworten, sollten Sie unbedingt ernst nehmen.