X

Beliebte Themen

Ratgeber
Recht

Makler ohne Moral

Im Kampf um das Traumhaus möchte man die Nase vorn haben. Reservationszahlungen sollte man aber nur nach sorgfältiger Prüfung leisten.

FOTOS
Illustration: Jens Bonnke
24. Dezember 2018

Wir haben uns vor Kurzem in ein Haus verliebt. Dem Makler zufolge wollten mehrere Interessenten das Haus unbedingt haben. Auf seinen Rat hin bezahlten wir ohne schriftlichen Vertrag 50 000 Franken als Reservationsgebühr. Nun hält das Haus nach der Begehung mit Spezialisten nicht, was es verspricht, und wir sind nicht mehr interessiert. Der Makler will uns nun die Gebühr nicht zurückzahlen. Man habe wegen uns anderen Interessenten abgesagt und deshalb einen Schaden erlitten. Können Sie uns helfen?

Hedy M., Kriens

Liebe Frau M.

Sie haben da etwas fahrlässig gehandelt und sind wohl einem schwarzen Schaf der Branche aufgesessen. Das Geld sollten Sie aber zumindest in der Theorie zurückerhalten.

Eine Reservationsvereinbarung für ein Haus ist nur dann gültig, wenn sie wie die Verträge über den Kauf von Liegenschaften öffentlich beurkundet wird. Das müsste je nach Kanton bei einem Notar oder direkt beim dafür zuständigen Amt erfolgen. Daher schadet es Ihnen nicht, dass Sie nicht einmal einen sogenannten einfachen schriftlichen Vertrag, also ohne besondere Form, abgeschlossen haben. Auch dieser hätte Sie rechtlich nicht gebunden. Da es keine gültige Reservationsvereinbarung gibt, muss der Makler Ihnen das Geld umgehend und ohne jeglichen Abzug zurückerstatten. Er kann von Ihnen auch keinen Schadenersatz verlangen. Solcher würde zuerst einmal, neben anderen Voraussetzungen, einen gültigen Vertrag erfordern, den wir vorliegend ja nicht haben. Rechtsmissbräuchlich haben Sie sich übrigens auch nicht verhalten.

Handeln Sie ohne Zeitverlust, damit Ihnen keine allfälligen Gläubiger des Maklers zuvorkommen oder er sogar Konkurs geht. Dann wäre ihr Geld wohl futsch. Falls der Makler das Geld für andere Zwecke verbraucht haben sollte und es Ihnen deshalb nicht zurückzahlt, könnte er auch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.

Dennoch will ich Ihnen für die Zukunft nicht grundsätzlich von Reservationsverträgen und -zahlungen abraten. Diese müssen manchmal einfach geleistet werden, damit man «dabei» ist. Wichtig ist, dass das Geld sicher ist. Eine Reservationszahlung sollte daher auf ein Sperrkonto oder nur gegen eine anderweitige Absicherung bezahlt werden. Es empfiehlt sich auch abzuklären, ob der Makler überhaupt den Auftrag hat, das Objekt zu verkaufen. Manche bieten Objekte zum Verkauf an, die Ihnen gar nicht gehören. Dies in der Hoffnung, vom Verkäufer dann trotzdem eine Vermittlungsprovision zu erhalten.