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Ferienverbot vom Chef

Er hat einen Traumurlaub gebucht, doch nun braucht ihn der Vorgesetzte. Muss er nun die Ferien annullieren?

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Illustration: Jens Bonnke
27. August 2018

Zwischen unserem Grundstück und dem unserer Nachbarn steht eine Mauer. Diese gehört zum Anwesen der Nachbarn und ist über 60 Jahre alt. Nun neigt sich ein Teil der Mauer rund 32 Zentimeter in Richtung unseres Grundstücks. Gemäss Offerten, die die Nachbarin eingeholt hat, belaufen sich die Kosten für die Reparatur der ganzen Mauer auf 20 000 bis 30 000 Franken. Das will sie nicht ausgeben. Kann ich rechtlich dagegen vorgehen?

Dario Z., Kleinandelfingen

Daniel U. Walder

Rechtsanwalt

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Daniel U. Walder online

Lieber Herr Z.

Theoretisch ja, aber so einfach, wie sich Ihr Boss das vorstellt, geht das nicht. Nach dem Gesetz (Art. 329c OR) bestimmt der Arbeitgeber den Zeitpunkt der Ferien. Er nimmt dabei auf die Wünsche des Arbeitnehmers so weit Rücksicht, als dies mit den Interessen des Betriebes vereinbar ist. Wegen eines vor der Tür stehenden, wichtigen Grossauftrags hätte er auf Ihren Ferienwunsch also nicht zwingend eingehen müssen. Nun hat er aber bereits Ja gesagt und Sie haben sich daran orientiert und gebucht. Und wohl auch schon einen schönen Batzen anbezahlt.

Konkret darf Ihr Chef Ihre Ferien nicht einfach streichen. Denn zugesicherte Ferien dürfen nur in Notfällen, das heisst, aus wichtigen betrieblichen und unvorhersehbaren Gründen vom Arbeitgeber abgesagt oder verschoben werden. Aus den gleichen Gründen dürfte der Arbeitgeber Sie sogar aus den Ferien «zurückpfeifen». Derartige Gründe sind hier aber kaum gegeben.

Wenn Ihr Arbeitgeber versucht, einen Grossauftrag an Land zu ziehen und das glücklicherweise gelingt, kann bei guter Planung, etwa einer vorausschauenden Verteilung der Ferienbezüge, schwerlich eine solche Notfallsituation entstehen. Es müsste gerade das Überleben der Firma auf dem Spiel stehen und Sie objektiv unentbehrlich sein. Darüber hinaus müsste die Firma Ihnen den gesamten entstandenen Schaden, wie Annullierungskosten, Umbuchungsgebühren etc. ersetzen.

Weisen Sie Ihren Chef also nett darauf hin, dass das nicht so einfach gehen würde, da er Ihnen die Ferien zugesagt hat und Sie bereits gebucht haben. Er soll auch wissen, was eine solche Aktion ihn kosten und für Sie persönlich bedeuten würde. Die geschäftliche Seite der Argumentation, etwa, dass das Projekt auch drei Wochen ohne Sie auskommen könnte, kennen Sie selbst am besten. Wichtig ist einfach: Falls Ihr Chef auf stur schaltet und er die Ferien tatsächlich absagt, sollten Sie, ausser Sie haben bereits einen neuen Job in Aussicht, die Ferien nicht eigenmächtig beziehen. Sie könnten ihm einen Grund für eine fristlose Kündigung liefern und dann müsste langwierig vor Gericht geklärt werden, ob er zur Ferienstreichung berechtigt war. Beissen Sie in diesem Fall in den sauren Apfel und hoffen Sie auf eine neue Stelle oder einen neuen Chef.

  

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