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Zu jung für Shopping

Minderjährige dürfen ohne Erlaubnis der Eltern keine Verträge abschliessen. Wer haftet, wenn sie es dennoch tun?

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Illustration: Jens Bonnke
24. September 2018

Unser Sohn (14) hat es geschafft, hinter unserem Rücken im Internet ein Smartphone zu bestellen. Nun hat er die Rechnung über mehr als 1000 Franken erhalten. Müssen wir diese bezahlen? Das Handy können wir nicht mehr zurückgeben, da es meinem Sohn auf dem Pausenplatz abgenommen wurde und er nicht sagen will, wer das war.

RENATE R., ZÜRICH

Daniel U. Walder

Rechtsanwalt

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Daniel U. Walder online

Liebe Frau R.

Ohne Genehmigung der Eltern ist der Handykaufvertrag ihres minderjährigen Sohnes nicht gültig. Es handelt sich nicht um eine geringfügige Besorgung des täglichen Lebens (Art. 19 ZGB). Das scheint mir aber vorliegend nicht das Hauptproblem zu sein. Zuerst müssen Sie herausfinden, wie Ihr Sohn es vollbracht hat, an das Handy zu gelangen. Falls er bei der Bestellung im Internet falsche Angaben, etwa zum Alter gemacht hat, könnte er ein strafrechtliches Problem bekommen. In diesem Fall haben Sie kein Interesse an einem Streit mit der Lieferfirma, denn Sie müssten damit rechnen, dass die Polizei und die Jugendanwaltschaft eingeschaltet werden. Sie als Mutter sind natürlich nicht verpflichtet, Ihren Sohn selbst ans Messer zu liefern. Bezahlen Sie und treffen Sie Vorkehrungen, dass das nicht mehr passiert.

Wenn aber alle seine Angaben bei der Bestellung korrekt waren und der Fehler eindeutig beim Lieferanten liegt, dann machen Sie diesen darauf aufmerksam, dass Ihr Sohn noch nicht 18 Jahre alt ist und deshalb keine solchen Verträge abschliessen kann. Der Vertrag ist somit nicht gültig. Gleichzeitig sollten Sie sich darum kümmern, dass das Handy zurückkommt. Denn auf dieses hat die Lieferfirma grundsätzlich Anspruch. Fühlen Sie Ihrem Sohn noch einmal auf den Zahn, wer das Handy jetzt hat. Falls das nicht hilft, dann reden Sie mit der Schule, und falls das nichts bringt, machen Sie allenfalls eine Anzeige bei der Polizei. Wenn das Handy trotz dieser Massnahmen verschwunden bleibt, ist es das Problem der Lieferfirma. Denn Ihrem Sohn ist das Handy unverschuldet abhanden gekommen. Sie haben dennoch ein Inte- resse daran, alles zu unternehmen, damit das Handy seinen Weg zur Lieferfirma zurückfindet. Denn so können Sie verhindern, dass diese ihrerseits eine Anzeige gegen Ihren Sohn macht und eine Untersuchung gegen ihn stattfindet. Auch wenn er wohl nicht bestraft würde, ist allein die Involvierung in ein Strafverfahren unnötiger Stress für die gesamte Familie.