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RATGEBER RECHT

Die Zahl der Gäste melden

Im Restaurant für ein Festessen zu reservieren, kann ins Geld gehen, wenn Gäste krank werden.

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Illustration: Jens Bonnke
02. September 2019

Für den 70. Geburtstag meiner Mutter hatte ich für 30 Personen an einem Sonntag über Mittag ein Säli reserviert und das Menü ausgewählt. Leider war mein Bruder mit seiner Familie krankheitshalber kurzfristig verhindert. Wir waren letztlich nur 25 Personen. Der Wirt verlangt nun aber trotzdem die Bezahlung von 30 Essen. Muss ich das bezahlen? Saskia P. aus F.

Liebe Frau P.

Sie müssen wohl oder übel bezahlen, wenn nicht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder beim Reservieren etwas anderes vereinbart wurde. Etwa, dass die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bekannt gegebene Personenzahl verbindlich ist oder bis wann die Zahl noch angepasst werden kann. Wenn es keine Regelung gibt oder die Stornierungsfrist verpasst wird, ist es das Problem des Gastes. Juristisch gesehen haben Sie mit der Bestellung für 30 Personen einen bindenden Vertrag geschlossen und der Wirt kann auf die Einhaltung pochen.

Der Wirt muss sich aber in solchen Fällen eine Schadenminderungspflicht entgegenhalten lassen. Da die Absage kurzfristig kam, dürfte er kaum die Chance gehabt haben, etwa weniger einzukaufen. Auch konnte er nicht einen Tisch im Säli anderweitig besetzen, wie das bei einem Essen in der Gaststube möglich gewesen wäre. Hat er hingegen zum Beispiel fünf Rindsfiletmedaillons für Bruder und Familie anderweitig serviert oder wieder in den Kühlschrank gelegt und nicht bei Ihnen als Nachservice offeriert, müsste er sich einen Abzug vom Preis gefallen lassen. Ob Sie das allerdings nachweisen können, ist fraglich.

Sie können versuchen, den Wirt um Kulanz zu bitten. Ich habe schon erlebt, dass man für einen Teil des bezahlten Schadens einen Gutschein für eine Konsumation im gleichen Restaurant erhält. Besteht der Wirt auf die volle Bezahlung, sollten Sie ihm bei allem Ärger ein gewisses Verständnis entgegenbringen. Ihm passiert das vielleicht mehrmals wöchentlich und er muss ja auch das aufgebotene Personal bezahlen.

Für die Planung des nächsten Festes kann ich Ihnen nur raten, sich nach den Stornierungs- beziehungsweise Absagebedingungen zu erkundigen. Klären Sie ab, auf welchem Weg und bis wann Sie ganz oder teilweise absagen können. Wenn Sie in einem gut besuchten Restaurant am Freitagabend per E-Mail für den Sonntag absagen, wird das allenfalls nicht rechtzeitig gelesen und es gibt wieder Unfrieden. Auch wenn man nur einen Tisch reserviert, ist es empfehlenswert – und anständig – anzurufen, wenn sich etwas ändert.