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Kampfzone Kleiderladen

Der Umtausch von Kleidern gehört bei den meisten Geschäften zum Kundenservice. Ausnahmen gibt es jedoch.

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Jens Bonnke
28. Juni 2019

Beim Kauf eines Kleids hat mir die Kassierin einen «kein Umtausch»- Stempel auf meinen Kassenzettel gedruckt, obwohl das Kleid nicht reduziert war. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass in diesem Geschäft generell kein Umtausch möglich ist. Zu Hause habe ich bemerkt, dass an dem Kleid eine Naht offen war. Kann ich das Kleidungsstück doch zurückgeben?

Sophia T., Adliswil

Daniel U. Walder

Rechtsanwalt

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Daniel U. Walder online

Liebe Frau T.

Ihr Bericht erstaunt mich, da der Kleiderhandel nach meinen Erfahrungen in der Regel sehr kulant ist. Die Information erst an der Kasse zu erhalten, finde ich ebenfalls sehr störend. Aber sehen wir uns das einmal rechtlich an:

Nach dem Gesetz haftet ein Verkäufer dafür, dass eine gekaufte Sache keine Mängel aufweist. Eine offene oder gar nie vernähte Naht ist bei einem Kleidungsstück durchaus als Mangel zu qualifizieren. Vor allem, wenn sie so gelegen ist, dass sie vor dem Kauf nicht ohne Weiteres entdeckt werden muss.

Die Haftung für Mängel kann aber theoretisch wegbedungen werden. Nun stellt sich die Frage, ob der «kein Umtausch»-Stempel eine vollständige Wegbedingung für Mängel darstellt. Auch wenn dies vom Geschäft wohl so gemeint war, reicht dieser Vermerk nach meinem Dafürhalten nicht aus, um jegliche Mängelrechte auszuschliessen. Nach dem Wortlaut des Stempels und dem üblichen Verständnis eines Käufers geht es eben einzig darum, den Umtausch unter allen Umständen wegzu- bedingen, etwa auch, wenn einer Käuferin das Kleid zu Hause nicht mehr gefällt. Angesichts der Umstände lässt sich der Vermerk «kein Umtausch» nicht als vollständige Wegbedingung für den vorhandenen Mangel verstehen. Es müsste zumindest möglich sein, das Kleid gegen ein mängelfreies einzutauschen, eine Preisreduktion oder (kulanterweise) eine Gutschrift für einen neuen Einkauf zu erhalten. Der klassische Umtausch, also die Rückgabe des Kleides gegen Erhalt des Kaufpreises, ist demgegenüber gemäss dem Stempel ausgeschlossen. So weit ist er meines Erachtens gültig.

Ob sich hier ein juristisches Vorgehen lohnt, bezweifle ich. Der Gang zum Schneider dürfte günstiger sein als der zum Anwalt. Sie sollten es aber auf jeden Fall noch einmal beim Geschäft probieren. Und wenn Sie wieder einmal einen solchen Stempel erhalten, sollten Sie auf der Stelle reklamieren und die Rückabwicklung des Kaufes verlangen. Das wäre juristisch korrekt, denn Sie haben den Kauf unter falschen Bedingungen abgeschlossen und sind einem Irrtum erlegen.