X

Beliebte Themen

Ratgeber
Recht

Krank durch Mobbing

Schikane am Arbeitsplatz kann sich zu einer massiven Belastung entwickeln. Betroffene sollten ihre Rechte kennen.

FOTOS
Illustration Jens Bonnke
16. Dezember 2019

Seit Anfang Jahr habe ich einen neuen Chef. Seither hat sich das Arbeitsklima massiv verschlechtert. Er und ein anderer Mitarbeiter schikanieren mich so sehr, dass ich deswegen nun – vom Arzt mündlich bestätigt – krank und arbeitsunfähig geworden bin. Ich kann dort so nicht mehr weiterarbeiten, habe mich aber noch nicht getraut, zu Hause zu bleiben. Was habe ich für Rechte? Und wie sieht es aus mit meinem Lohn?

Felix B., Zürich

Daniel U. Walder

Rechtsanwalt

Haben Sie Fragen an unsere Experten? Dann schreiben Sie uns eine Mail.

Daniel U. Walder online

Lieber Herr Z.

Bei Ihnen scheint eine sogenannte arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit vorzuliegen. Davon spricht man, wenn ein Arbeitnehmer nur bezogen auf seine konkrete Stelle verhindert ist, seine Arbeitsleistung zu erbringen, nicht aber zum Beispiel für eine andere Tätigkeit. Anders als bei einer generellen Arbeitsunfähigkeit, wie durch einen Unfall oder eine schwere Grippe, ist man in seiner Freizeit nicht eingeschränkt.

Typischerweise führen gerade Konflikte oder Mobbingsituationen zu einer solchen Arbeitsunfähigkeit. Ihr Arbeitgeber ist aufgrund seiner gesetzlichen Fürsorgepflicht (Art. 328 Abs. 1 OR) aber verpflichtet, mit allen zumutbaren Massnahmen dafür zu sorgen, dass solche krankmachenden Situationen verhindert oder dann beseitigt werden.

Wenden Sie sich so rasch als möglich an die vorgesetzte Stelle ihres Chefs oder an die Mobbing-Anlaufstelle Ihres Betriebes und verlangen Sie, dass die Schikanen aufhören und Massnahmen zu Ihrem Schutz ergriffen werden. Problematisch ist hier wie so oft, dass es möglicherweise schwierig ist, die Schikanen und Fürsorgepflichtverletzungen Ihres Chefs zu beweisen. In Ihrem Fall dürfte aber helfen, dass bereits Ihr Arzt bestätigt hat, dass es so nicht weitergehen kann. Falls Sie noch kein ärztliches Zeugnis haben, müssten Sie unbedingt eines verlangen und dieses ebenfalls umgehend dem Arbeitgeber vorlegen.

Was Ihren Lohn betrifft, so haben Sie als Arbeitnehmer auch bei einer arbeitsplatzbezogenen Arbeitsunfähigkeit für eine gewisse Zeit (je nach kantonaler Skala) Anspruch auf Lohnfortzahlung. Wenn eine Krankentaggeldversicherung vorhanden ist, kann sich diese Dauer verlängern. Bei einer ausgewiesenen, unverschuldeten, lang andauernden arbeitsplatzbezogenen Arbeitsun- fähigkeit kann die Krankentaggeldversicherung aufgrund der sogenannten Schadenminderungspflicht vom Arbeitnehmer verlangen, dass er nach Ablauf einer gewissen Frist eine andere Ar- beitstätigkeit aufnimmt, und androhen, dass die Krankentaggeldversicherung ihre Leistungen nach Ablauf der Frist einstellt.