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Tatort: Waschküche

Wo eh schon schmutzige Wäsche gewaschen wird, sind Streitereien an der Tagesordnung. Vor allem, wenn es um Geld geht.

FOTOS
Illustration Jens Bonnke
29. April 2019

Wir sind eine Stockwerkeigentümergemeinschaft mit vier Wohnungen, jeder hat eine eigene Waschküche. Unser Problem: Ein Rentnerpaar wäscht verdeckt die Kleidung der drei Kinder, die auswärts wohnen. Wir alle bezahlen an den Wasserverbrauch nach Quote, da es nur eine Wasseruhr hat. Jährlich beläuft sich die Wasserrechnung auf rund 1800 Franken. Wie soll ich vorgehen? Darf ich Beweisfotos verwenden, die ich aus meiner Waschküche geschossen habe?

Klaus N., Egnach TG

Fangen wir doch mit den Fotos an. Diese sind unproblematisch, da darauf keine Personen abgebildet sind, sondern nur trocknende Wäsche. Bei einer Verwendung würde aber wohl der Vorwurf aufkommen, Sie hätten die Waschküche der Nachbarn für die Fotos unrechtmässig betreten und Hausfriedensbruch begangen. Sie sollten es sein lassen. Beweisrechtlich haben die Fotos überdies keinerlei Wert für das vorliegende Problem. Sie mögen wissen, dass es sich um Wäsche anderer Personen handelt, das kann mit den Fotos aber nicht belegt werden. Ebenso wenig die geltend gemachte Übernutzung der Waschküche oder der erhöhte Wasserverbrauch.

Ob es sich auch tatsächlich um eine unzulässige Mehrnutzung handelt, kann hier nicht abschliessend beurteilt werden. Nicht erlaubt wäre etwa, wenn die Miteigentümer Geld für das Waschen bekommen und damit ihre Waschküche quasi gewerblich nutzen. Das können Sie ebenfalls kaum beweisen. Relevant könnte auch sein, ob andere Stockwerk- eigentümer im gleichen Umfang waschen und Wasser verbrauchen. Etwa weil sie Kinder haben.

In Ihrem Fall sehe ich die nachfolgend skizzierten Lösungsansätze. Vorab sollten Sie sich allerdings fragen, wie hoch die finanziellen Auswirkungen der von Ihnen beschriebenen Mehrnutzung tatsächlich sind und ob es sich wirklich lohnt, etwas zu unternehmen. Oder ob Sie und die anderen Parteien die Kröte nicht einfach runterschlucken wollen.

Wenn verbindlich etwas geändert und das Problem gelöst werden soll, dürfte eine Änderung des Stockwerkeigentümerreglements unumgänglich sein. Etwa indem neu festgehalten wird, dass der Wasserverbrauch individuell erhoben und abgerechnet wird. Dies würde auch die Installation von Wasseruhren für jede Waschküche beinhalten. Oder man könnte versuchen, eine von der Wertquote abweichende Nebenkostenquote einzuführen. Die Beurteilung, ob eine Abänderung des Reglements tatsächlich möglich und ökonomisch sinnvoll ist, muss ich Ihnen überlassen.