X

Beliebte Themen

Ratgeber
Tiere

Gewitter im Gehirn

Der junge Pudel leidet unter epileptischen Anfällen. 
Die Besitzerin fürchtet, dass ein Hirntumor dahintersteckt.

28. August 2018

Mein dreijähriger Pudel hat seit 
einem Jahr schlimme epileptische Anfälle. Ich habe Angst, dass mein Hund einen Gehirntumor hat. 
Es wurden jedoch keine weiteren Untersuchungen ausser einer 
Blutuntersuchung durchgeführt. Was soll ich tun?


ANNA-LENA M., ZUG

Philemon Karli

Neurologe, Dr. med. vet. dipl. ECVN

Haben Sie Fragen an unsere Experten? Dann schreiben Sie uns eine Mail.

Das VET-Zentrum online

Sehr geehrte Frau M.

Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben. Mittels Blutuntersuchung sehen wir, ob es sich um eine Stoffwechselstörung handelt, welche die Anfälle auslöst.

Bei einer Erkrankung des Gehirns kommt es normalerweise zu neurologischen Ausfällen. Dies kann durch ei-
nen klinisch-neurologischen Untersuchungsgang festgestellt werden.

Wenn sowohl die komplette Blut-
untersuchung wie auch eine ausführliche neurologische Abklärung normal ausfallen, liegt bei einem dreijährigen Hund, der sich zwischen den Anfällen normal verhält, meist eine Epilepsie ohne ersichtliche Ursache (idiopathische Epilepsie) vor. Insbesondere gilt dies, wenn das Tier die ersten Anfälle im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren zeigt. Die idiopathische Epilepsie ist eine Ausschlussdiagnose. Dies bedeutet, dass man eine komplette Abklärung des Gehirns durchführt, um allfällige Veränderungen darstellen zu können, wenn der Besitzer es wünscht. Dazu sind eine Magnet-Resonanz-Tomografie und eine Gehirnflüssigkeitsanalyse notwendig. Bei jungen Tieren sind Tumoren des Gehirns selten. Es gibt aber andere Ursachen wie zum Beispiel Entzündungen, Missbildungen und sehr selten Speicherkrankheiten im Gehirn.

Epileptische Anfälle sollten unbedingt behandelt werden, wenn sie regelmässig auftreten. Dazu braucht es wie beim Menschen ein Antiepileptikum, welches täglich (meist zweimal) verabreicht wird. Es gibt verschiedene Medikamente. Ein Beratungsgespräch mit Ihrem Tierarzt oder einem Neurologen gibt Aufschluss über die Vor- und Nachteile des jeweiligen Medikamentes.

Als Fazit empfehlen wir Ihnen eine neurologische Beurteilung durch einen Spezialisten und eine Beratung bezüglich der vorhandenen Medikamente. Bei einem neurologisch unauffälligen Tier, welches seit Monaten bis Jahren Anfälle zeigt, ist ein Gehirntumor in den meisten Fällen aber unwahrscheinlich.