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Stubentiger mit Beisshemmung

 Katzen leiden oft unter entzündetem Zahnfleisch. Regelmässiges Zähneputzen kann helfen.

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Illustration: Jens Bonnke
29. Oktober 2018

Unsere Katze ist eineinhalb Jahre alt und hat entzündetes Zahnfleisch. Wir geben ihr jetzt täglich rohes Frischfleisch, und zwar Kalb oder Rind. Trockennahrung frisst sie gerne, aber die Pellets sind hart und verletzen das Zahnfleisch sicher auch. Unsere Tierärztin hat gesagt, dass sie mit den eigenen Zähnen nicht alt wird. Was sagen Sie dazu?

Peter W., Bern

Philemon Karli

Neurologe, Dr. med. vet. dipl. ECVN

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Sehr geehrter Herr W.

Zahn- und Zahnfleischprobleme treten bei der Katze leider häufig auf. Wir gehen davon aus, dass ein Grossteil der Betroffenen an einer Entzündungsreaktion im Zusammenhang mit Zahnstein oder an einer Reaktion gegen den körpereigenen Zahnschmelz leiden. Stress, Virusinfektionen und andere Faktoren werden als weitere Auslöser diskutiert.

Da Katzen reine Fleischfresser sind, ist eine artgerechte Fütterung beschränkt. Wir raten von Rohfleischfütterung ab, da dies eine Übertragung von Infektionskrankheiten begünstigt. Zudem hat die Rohfleischfütterung keinen positiven Einfluss auf die Zahnfleischgesundheit. Die Fütterung mit Trockenfutter birgt keine Nachteile, ausser die Katze hat Schmerzen beim Beissen und dass sie weniger Flüssigkeit über die Nahrung aufnimmt. 

Da Katzen Zähneputzen und desinfizierende Lösungen im Trinkwasser selten akzeptieren, ist dies oft keine Option zur Prophylaxe. Tägliche Maulreinigung mit einer Katzenzahnpasta beugt vermehrter Zahnsteinbildung vor, wenn sie dies toleriert. Vermeiden von Stress ist sicherlich essenziell. Weil chronische Virusinfektionen der Maulhöhle mit damit einhergehender Zahnfleischentzündung vermutet werden, ist eine regelmässige Impfung der Katze sinnvoll.  

Solange Ihre Katze keine Beschwerden wie komisches Kauen, Schreien beim Fressen oder Futterverweigerung zeigt, ist eine medikamentelle Behandlung nicht indiziert. Bei Beschwerden werden entzündungshemmende und immunmodulierende Medikamente (NSAID, Kortison, Cyclosporin) eingesetzt. Antibiotika sind bei einer bakteriellen Infektion sinnvoll. Behandlungen mit lokalem Interferon oder bovinem Laktoferrin sind ebenfalls beschrieben. Bei hartnäckigen Fällen, die dauernd Medikamente benötigen oder nicht mehr darauf ansprechen, wird oft eine radikale Zahnextraktion vorgenommen.

In vielen der schwerwiegenden Fälle ist die radikale Zahnentfernung erfolgreich. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Katzen ohne Zähne problemlos normales Futter fressen. Aber auch diese Therapie garantiert nicht, dass Ihr Tier danach beschwerdefrei fressen kann.

Fragen Sie unsere Experten: beratung@coopzeitung.ch

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