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RATGEBER TIER

Keine Milch, aber viel Liebe

Katzenbabys regen den Milchfluss an, indem sie die Mutterkatze in den Bauch treteln. Bei älteren Katzen ist der Grund dafür ein anderer.

31. Dezember 2018

Wir haben unsere Katze (8) aus dem Tierheim. Es fällt uns auf, dass sie mehrmals täglich entweder auf dem Kratzbaum oder auf einer ihr vertrauten Person den Milchtritt macht. Dabei hat sie einen ganz entrückten Gesichtsausdruck. Ist das noch normal bei einer so alten Katze?

Martina H., Liestal

Andrea Major

Dr. medVIM Andrea Major ist Spezialistin für Innere Medizin an der Überweisungsklinik VET-Zentrum in Pfungen ZH.

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Das Milchtrittverhalten ist ein sehr früh auftretendes Verhaltensmuster, das Katzenwelpen zeigen, um den Milchfluss bei der Mutter anzuregen. Dies wird insbesondere mit den Vorderpfoten durchgeführt. Da Katzenwelpen meist mit etwa drei Monaten von der Mutter abgesetzt werden, ist der Milchtritt danach eigentlich nicht mehr essenziell. Viele Katzen behalten dieses Muster trotzdem bis ins hohe Alter bei, weshalb es etwas absolut Unbedenkliches und Normales ist. Es scheint auch nichts mit vorzeitiger Trennung vom Muttertier oder zu frühem Absetzen beim Züchter zu tun zu haben.

Es ist vermutlich ein absoluter Zufall, dass die Katze aus dem Tierheim dieses Verhalten zeigt. Da das Treteln, wie man es auch nennt, ein Ausdruck von Wohlgefühl und Sicherheit ist, kann es auch damit zusammenhängen, dass Ihre Katze sich seit der Übernahme aus dem Tierheim einfach «saumässig» wohlfühlt und dankbar dafür ist, ein so schönes Zuhause gefunden zu haben.

Aus eigener Erfahrung habe ich dieses Verhalten selber bei einer Katze miterlebt. Beim Treteln auf Decken hat sie gleichzeitig genuckelt und gesabbert, was ebenfalls nichts Aussergewöhnliches zu bedeuten hat. Auch ein häufig vorhandenes Schnurren beim Milchtritt untermauert den vermuteten Wohlfühlmoment.

Beim Milchtritt an Personen ist es ganz grundsätzlich ein Ausdruck grosser Zuneigung. Im übertragenen Sinne ist dies ein Zeichen der engen Zugehörigkeit, was normalerweise der Mutter gebührt. Auch eine Art von Beanspruchen und Markieren der getretenen Stellen wird als Grund für das Treteln genannt. Der entrückte Gesichtsausdruck ist nicht als solcher zu deuten. Vielmehr ist es ein Ausdruck der Entspannung und wie schon zuvor erwähnt des Wohlfühlens. Durch eher grosse Pupillen und einen starren, abgewandten Blick kann dies für uns Menschen befremdend erscheinen.

Sehen Sie den Milchtritt als Zeichen der Zuneigung und als Kompliment an und nicht als krankhaft. So werden Sie Ihrem entspannten, sich wohlfühlenden Büsi gerecht und können es geniessen. Es gibt keinerlei Gründe, es als abnormal anzusehen und sich deshalb Sorgen zu machen.