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Stubentiger macht in die Stube

Katzen sind reinliche Tiere. Wenn sie das stille Örtchen ignorieren, hat das immer einen guten Grund.

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Illustration: Jens Bonnke
27. August 2018

Meine Nichte hat vor rund einem Jahr überraschend ein Kätzchen nach Hause gebracht. Es war damals noch sehr jung. Es gab im Haushalt aber schon eine Katze. Leider ist das Kätzchen bis heute nicht stubenrein. Obwohl die Katze ein eigenes Kistchen hat, uriniert sie oft auf das Sofa. Das grosse Geschäft macht sie stets in der Badewanne. Meine Schwester hat schon vieles versucht und ist inzwischen am Verzweifeln. Was raten Sie?

HANNA K., BADEN AG

Philemon Karli

Neurologe, Dr. med. vet. dipl. ECVN

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Sehr geehrte Frau K.

Junge Katzen, die in Bezug auf Urin und Kot stubenunrein sind, zeigen selten eine medizinische Grundursache dafür. Trotzdem sollten Abklärungen durchgeführt werden, um dies mit Sicherheit ausschliessen zu können. Eine fundierte medizinische und neurologische Untersuchung gehört dazu.

Katzen mit Blasensteinen oder Harnwegsinfektion zeigen teils ein verändertes Harnabsatzverhalten. Da nicht alle Harnsteine röntgendicht sind, wäre eine  Untersuchung des Bauchraums mit einer Harnuntersuchung sinnvoll. In seltenen Fällen ist eine Missbildung der unteren Harnwege (z. B. ektopische Harnleiter, Harnblasendivertikel) für die Beschwerden verantwortlich.

Sollte die neurologische Beurteilung Ihrer Katze Hinweise auf eine zentralnervöse Störung zeigen, ist eine Untersuchung des Gehirns angezeigt.

Wenn keine Auffälligkeiten gefunden werden, ist eine verhaltensbedingte Stubenunreinheit zu vermuten. In diesen Fällen sind die Umstände im Haushalt und die Vorgeschichte der Katze, die sie nicht kennen, die möglichen Übeltäter. Wie Sie schon erwähnten, ist unter anderem ein Lösungsansatz, mehrere (zwei pro Katze) gut zugängliche Katzenklos mit unterschiedlicher Einstreu aufzustellen. Unterstützende Massnahmen wie Pheromone (Botenstoffe) als «Wohlfühleffekt», die als Sprays oder Verdampfer eingesetzt werden, können helfen. Es gibt auch Futterergänzungsmittel, die die Tiere beruhigen sollen.

Wenn all dies nicht wirkt, sehen wir die Vorgeschichte und die zweite Katze als Hauptverdächtige der Problematik. Auch eine reine Wohnungshaltung führt manchmal zu Frustration der Tiere und zu einem solchen Verhalten. Katzen sind oft Einzelgänger und markieren ihr Revier gegenüber anderen Katzen. In solchen Fällen hilft leider oft nur die Trennung und damit die Auflösung der Katzenwohngemeinschaft, auch wenn dies natürlich schwerfällt.

Bevor man diesen Entschluss fällt, empfehlen wir eine Beurteilung und Beratung durch einen Verhaltensspezialisten. Unter Umständen werden dadurch Mängel erkannt, die korrigiert werden können. Manchmal werden vorübergehend auch Medikamente eingesetzt.

  

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