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Alter Schreihals

Auch Haustiere werden älter und zeigen oftmals ein verändertes Verhalten. Bei Problemen ist eine sorgfältige Abklärung wichtig.

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Illustration: Jens Bonnke
01. April 2019

Unsere Katze ist 16 Jahre alt und recht fit. Die Nächte verbringt sie im Freien, wo sie auch einige geschützte Schlafplätze hat. Seit einem halben Jahr schreit sie plötzlich und vor allem frühmorgens laut und lange. Diese Anfälle hat sie ab und zu auch tagsüber. Wir fragen uns, woran das liegen kann und was man dagegen unternehmen kann? Sind Medikamente nötig?

Iris B., Rheinfelden AG

Philemon Karli

Neurologe, Dr. med. vet. dipl. ECVN

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Liebe Frau B.

Eine einzige Grundursache für nächtliches Schreien gibt es nicht. Abhängig von der Vorgeschichte und den klinischen Befunden sollten die Ursachen abgeklärt werden. Es kann deshalb nicht pauschal zu einem Medikament gegen das Schreien geraten werden. Bei älteren Tieren nimmt häufig das Hörvermögen ab, was am Ende zur Taubheit führt. Katzen, die nichts mehr hören, schreien oft sehr laut, da sie die Lautstärke nicht mehr einschätzen können. Zur Einschätzung des Hörvermögens braucht es einen Hörtest.

Wenn Ihre Katze viel frisst und abmagert, viel trinkt und ein stumpfes Fell bekommt, sollte eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Katzen mit einer Schilddrüsenüberfunktion sind häufig hyperaktiv, reizbar und miauen häufiger. Auch Bluthochdruck kann nächtliche Unruhezustände verursachen, weshalb eine Blutdruckmessung wichtig ist. Bei Bluthochdruck muss dieser medikamentell gesenkt werden.

Eine sich bei älteren Tieren häufende Problematik ist das kognitive Dysfunktionssyndrom. Dabei handelt es sich um einen Alterungsprozess des Gehirns ohne bösartigen Hintergrund. In der Regel zeigen die Tiere weitere Symptome wie Stubenunreinheit, kognitive Probleme und Störungen des Wach-Schlaf-Rhythmus (nächtliche Unruhe). Die Diagnose ist eine Kombination aus einer klinisch-neurologischen Beurteilung, die normal ausfallen sollte, und den Veränderungen, die der Besitzer vorgeschichtlich berichtet. Weitere Abklärungen des Gehirns werden empfohlen, um andere Ursachen bei Hinweisen darauf ausschliessen zu können.

Natürlich gibt es auch altersbedingte Verhaltensänderungen ohne krankhafte Ursache. Bei solchen Tieren braucht es oft Umstellungen im Alltag, eine Katzenklappe, Beschäftigung am Tag, damit sie nachts müde sind oder auch nur mehr Aufmerksamkeit und Geduld als früher. Ein Umzug, eine zweite Katze oder ein Neugeborenes können anzeigen, dass es sich um eine Verhaltens-/Stressproblematik handelt. In einigen Fällen werden bei kognitivem Dysfunktionssyndrom und Verhaltensproblemen auch psychoaktive Medikamente eingesetzt.

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