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Explosiver Kater

Aggressive Anfälle bei Katzen können auf das feline Hyperästhesiesyndrom hinweisen.

FOTOS
Illustration: Jens Bonnke
06. Mai 2019

Unser Kater ist drei Jahre alt und verhält sich seltsam: Mindestens einmal täglich zeigt er Anfälle mit Schwanzschlagen, Schwanzbeissen, Aggression und Hochspringen. Er lässt sich dabei nicht ablenken. Kurze Zeit danach verhält er sich ruhig und putzt sich, als ob er sich schämen würde. Können Sie mir sagen, ob ich etwas tun kann, damit diese Attacken verschwinden? Wird es mit dem Alter besser?

Walter Z., Zürich

Philemon Karli

Neurologe, Dr. med. vet. dipl. ECVN

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Lieber Herr Z.

Eine der häufigsten Ursachen bei einer jungen Katze mit Schwanzschlagen, Zuckungen des Schwanzes wie auch wildem Herumspringen und Schreien sehen wir beim sogenannten felinen Hyperästhesiesyndrom. Die geschilderte Symptomepalette beinhaltet Lecken und Beissen im hinteren Körperbereich und Zuckungen des Fells im Rückenbereich, weshalb es auch «rolling skin syndrome» genannt wird. Ob es sich um einen schmerzhaften Zustand handelt, ist nicht sicher. Oft bewirken entzündungshemmende Schmerzmittel nichts.

Da diese Katzen in solchen Phasen der Unruhe häufig auch grosse Pupillen, eine Art Delirium und andere Wahnzustände zeigen, wird diskutiert, ob es eine spezielle Form von Epilepsie ist. Lange Rede, kurzer Sinn – niemand weiss, worum es sich eigentlich handelt.

Weil ähnliche Symptome auch durch Juckreiz infolge von Flohbefall oder anderen Hautproblemen ausgelöst werden können, kommen zuerst Medikamente gegen Flöhe und gegen Juckreiz anderer Ursachen zum Einsatz. Wenn frühere Verletzungen im Schwanz- oder Beckenbereich bekannt sind, kommen diese als mögliche Auslöser infrage.

Oft ist es jedoch nicht möglich, eine Grundursache zu identifizieren – in diesem Fall muss von einem Hyperästhesiesyndrom ausgegangen werden. So müssen verschiedene Medikamente einzeln oder in Kombination ausprobiert werden. Häufig kommt es zu einer Linderung oder gar zum Verschwinden der Symptome. In diesen Fällen braucht es eine lange bis lebenslange Therapie mit diesen Medikamenten.

Ich selbst hatte eine Katze, die wohl an diesem Syndrom litt. Meiner Meinung nach ist es eine Frage des Ausmasses, ob man eine Therapie in Betracht zieht. Vor allem bei Katzen, die sich verletzen und nicht mehr zur Ruhe kommen, muss eine medikamentelle Therapie eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um Antiepileptika, Antidepressiva und Entzündungshemmer, wobei das Ansprechen auf die Medikamente sehr individuell sein kann.

Bei milden Symptomen, ohne dass sich die Katze dabei verletzt, ist es unter Umständen vernünftig, dies einfach so zu akzeptieren, wie es ist.