X

Beliebte Themen

AKTUELL
RATGEBER VETERINäR

Hinkende Hundedame

Hat ein Hund Schmerzen im Knie, muss er meist operiert werden. In leichteren Fällen kann aber auch Physiotherapie helfen.

FOTOS
Illustration: Jens Bonnke
04. März 2019

Unsere fünf Jahre alte Mischlingshündin hat laut Tierarztberichten beidseits eine Kniescheibenluxation nach aussen. Das rechte Knie ist stark verdickt und zeigt im Röntgenbild auch Arthrose. Die Hündin hinkt hinten rechts. Da wir ihr ein möglichst beschwerdefreies Leben ermöglichen möchten, ist unsere Frage, ob und wie man etwas dagegen unternehmen könnte. Enea B., Liestal BL

Roman Inauen

Dr. med. vet. dipl. ECVS

Haben Sie Fragen an unsere Experten? Dann schreiben Sie uns eine Mail.

Lieber Herr B.

Bei Kniescheibenluxationen, die zu Beeinträchtigung und Schmerzen führen, ist eine chirurgische Korrektur sinnvoll. Die Art der Operation und die Prognose sind vom Grad, der Ursache und der Dauer der Luxation abhängig.

Klinisch werden vier Grade der Luxation unterschieden. Eine konservative Behandlung mittels Physiotherapie kann bei einem Grad I bis II ausreichen. Die Prognose ist abhängig von Dauer und Grad der Kniescheibenluxation.

Das Kniegelenk wird zudem auf zusätzliche Erkrankungen untersucht. Danach werden Röntgenbilder vom Hüft- bis zum Sprunggelenk angefertigt. So wird die Form des Knochens beurteilt und die Operation im Detail geplant. Zudem können damit relevante Fehlstellungen erkannt werden.

Die häufigste OP-Technik ist eine Vertiefung des Kniescheibenkanals und eine Versetzung des Ansatzes des Knie- scheibenbandes. Falls eine Vertiefung des Führungskanals nicht möglich ist, kann eine Kniescheibenkanal-Prothese eingesetzt werden. Bei schweren Knochenfehlstellungen reicht die oben beschriebene Technik oft nicht, um einen normal funktionierenden Kniescheibenmechanismus zu erreichen. Dann braucht es zusätzliche Knochenschnitte, um die Fehlstellung zu korrigieren.

Bei einem Grad III und IV läuft die Kniescheibe ausserhalb des mit Gelenkknorpel ausgebildeten Kniescheibenkanals. Dabei bildet sich häufig ein Pseudokanal und der Knorpel der Kniescheibe wird mit der Zeit abgerieben. Spätestens wenn kein schützender Knorpel mehr über dem Knochen vorhanden ist, bemerkt der Besitzer Lahmheitssymptome. Die dadurch entstehenden Gelenksentzündungen führen zudem zu Arthrose, was wiederum zu Schmerzen führen kann. Trotzdem darf man erwarten, dass sich die Symptome bei einer chirurgischen Behandlung auch bei chronischen Fällen verbessern, da die Kniescheibe dann wieder in einem mit Knorpel ausgestatteten Kanal läuft. Bei einem zu stark verformten Kanal, bei dem eine Vertiefung nicht sinnvoll erscheint, wird deshalb teilweise die Prothese eingesetzt, die meist zu einem guten Ergebnis führt.