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Königin der Kinderzimmer

«Die Eiskönigin», der erfolgreichste Animationsfilm, findet seine Fortsetzung. Worin liegt das Geheimnis von Eiskönigin Elsa und ihrer mutigen Schwester Anna? Auf der Suche nach der Zauberformel.

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Tobias R. Dürring
11. November 2019

Wettbewerb

«Die Eiskönigin 2»: Überraschungspakete zu gewinnen

«Eiskönigin»-Fans aufgepasst: Wir verlosen 60 «Die Eiskönigin»-Fan-Pakete im Wert von je Fr. 100.– mit tollen Überraschungen aus der «Disney Winterzauber»-Sammelaktivität und weiteren Produkten aus der Welt der Eiskönigin.

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Bereits am 4. Oktober präsentierten über 200 Influencer aus 30 Ländern die Merchandising-Produkte eines neuen Films. Nicht etwa jene des heiss ersehnten Finales der «Star Wars»-Saga. Nein, beworben auf allen möglichen Social-Media-Kanälen werden Artikel, die vornehmlich in einem uns sehr bekannten Hellblau gehalten sind: «Die Eiskönigin» findet am 20. November ihre Fortsetzung.

Stolze sechs Jahre sind seit der Premiere von «Frozen», so der Originaltitel, ins Land gezogen, Dutzende von Trickfilmen mit mindestens ebenso vielen Heldinnen und Helden in die Kinos gekommen und wieder gegangen – und mit ihnen ihre Merchandising-Artikel. Doch Elsa, Anna und Schneemann Olaf lachen uns beim Einkaufen immer noch von jedem zweiten Regal entgegen. Der Zauber der Eiskönigin ist ungebrochen.

«Ich habe an vielen Filmen gearbeitet, auf die ich sehr stolz bin», sagt Peter Del Vecho (61), seit 24 Jahren bei den Disney Animation Studios und als «Frozen»-Produzent Elsas oberster Chef. «Aber kein anderer hat global ein derartiges Echo ausgelöst wie ‹Frozen› – es ist wirklich verblüffend.»

Aussergewöhnlicher «Sister Act»

«Die Eiskönigin» zum Sammeln und Kuscheln

Der grosse Sammelspass bei Coop

Noch bevor «Die Eiskönigin 2» am 20. November in die Kinos kommt, geht bei Coop schon diesen Freitag das Elsa-Fieber los. Vom 8. November bis zum 24. Dezember erhalten Sie in jeder Coop-Filiale pro 10 Franken Einkauf eine Sammelmarke. Mit 40 Marken können Sie den Sammelpass für einen Disney-Artikel nach Wahl einlösen. Da ist für jeden Fan der Eiskönigin etwas dabei: Elsa, Anna, Olaf und Rentier Sven als Plüschfigur plus passende Tasse, eine Olaf-Kinderdecke (100 × 120 cm), für die Erwachsenen eine hübsche, doppelwandige Thermosflasche* (500 ml) oder eine Kuscheldecke* in Eisgrau (130 × 160 cm).

* Keine Disney-Artikel

Weitere Informationen hier: https://www.coop.ch/disneywinterzauber

Verblüffend ist auch, dass sich Disney sechs Jahre Zeit nahm für die Fortsetzung. Aber nur auf den ersten Blick. Denn erstens ist der Animationsfilm das aufwendigste Genre im Filmgeschäft, und zweitens macht das «Mouse House» keine halben Sachen. Allein vier Jahre betrug die Arbeit an «Frozen 2» – viel früher wäre also gar nicht möglich gewesen. «Als wir den ersten Teil machten, dachten wir nicht einmal an die Möglichkeit einer Fortsetzung», erinnert sich Del Vecho. Ein Jahr nach der Premiere von «Frozen» realisierten die Macher aber, dass ihnen ein grosser Wurf gelungen war: Als die DVD rauskam, lief der Film immer noch in gewissen Kinos – eine Rarität im kurzlebigen Kinogeschäft.

In seine Bestandteile zerlegt, weicht der Film nicht von der traditionellen Disney-Formel ab: starke Figuren, spannende Handlung mit lustigen Elementen, eingängiger Soundtrack. «Einzigartig machte den Film der Fakt, dass die Protagonistinnen Geschwister sind», betont Del Vecho: Elsa, die Eiskönigin, und Anna, ihre jüngere Schwester. Besonders ungewöhnlich war die Pointe, dass der «Akt wahrer Liebe» nicht auf den klassischen Kuss zwischen Held und Prinzessin abzielt, sondern auf die Liebe zwischen Schwestern. «Zudem sind die Protagonistinnen nicht perfekt, sondern begehen Fehler, was die Identifikation vereinfacht», ergänzt Del Vecho. Das Wichtigste sei aber wohl, dass die Leute «Frozen» für sich entdeckten: «Wenn du gute Geschichten und gute Charaktere hast, dann wollen die Leute diese Welt wieder besuchen, um das gleiche Gefühl zu empfinden wie beim ersten Mal.»

Perfektes Endprodukt

Ingrid Tomkowiak(63), Professorin für Populäre Kulturen an der Universität Zürich (vgl. Interview Seite 25), sieht ebenfalls in Elsa den Hauptunterschied zu anderen Heldinnen: «Elsa ist in ihrer Fähigkeit, alles in Eis zu verwandeln, isoliert, in dieser Isolation aber stark. Ich denke, dass diese Stärke die jungen Mädchen angesprochen hat.» Mit dem Befreiungsschlag der Eiskönigin, der Flucht aus dem elterlichen Schloss, emanzipiere sie sich. Also eine moderne Frauengeschichte? Tomkowiak relativiert: «Schliesslich ist es einfach ein perfektes Endprodukt. Alles passt zusammen: Ästhetik, Spannung, Musik, Computertechnik.»

Das eisblaue Elsa-Kleid ist bei Mädchen seit Jahren ein Renner.

Doch der Erfolg im Kino war nur der erste Schritt zur jahrelangen Regentschaft der Eiskönigin. Der strategische Schlüssel zur Aufrechterhaltung der Faszination heisst Merchan- dising. Nie zuvor in seiner Geschichte hatte Disney eine derart flächendeckende Kampagne mit gebrandeten Artikeln lanciert: Von der Zahnpasta bis zum Jogurt, von der Bettwäsche bis zum Schulsack – alles gibt es mit den Konterfeis von Elsa, Anna und Olaf. «Wenn jemand im Kindergarten oder in der Tagesstätte mit einer ‹Frozen›-Tasche rumläuft oder eine Elsa-Puppe hat, kann das ansteckend wirken», erklärt Tomkowiak. Die Omnipräsenz in den Läden fasziniere die Kinder zusätzlich. Dadurch entstand das unlogische Phänomen, dass Mädchen Elsa-Fan waren, bevor sie den Film zum ersten Mal gesehen hatten. «Disney hat es sogar geschafft, die rosa Welle bei den Mädchen durch die hellblaue abzulösen, was eine Leistung ist», sagt Tomkowiak.

Peter Del Vecho

Produzent «Die Eiskönigin» 1+2

Welche Dimension der Wert der Marke «Frozen» angenommen hat, ist in Zahlen schwer zu erfassen. Einerseits hütet Disney seine Bilanzen wie Dagobert Duck seine Goldtaler, andererseits ist eine globale Streuung nicht umfassend zu erheben. Ein paar Zahlen aus dem deutschen Markt geben trotzdem einen Anhaltspunkt: Von 2015 bis 2018 gingen bei unseren nördlichen Nachbarn über 16 Millionen Stück Spielzeuge von «Disney Frozen» über den Ladentisch. Nur Spielzeuge, wohlgemerkt, alle sonstigen mit «Frozen» bedruckten Artikel sind nicht inbegriffen. Der Gesamtumsatz in jenen vier Jahren in Deutschland betrug 170 Millionen Euro. Hinter der Mega-Marke «Star Wars» war «Frozen» damit die zweit­umsatzstärkste Disney-Lizenz.*

Grosse Erwartungen

Den Stellenwert von «Frozen» im eigenen Konzern beschreiben allein folgende Zahlen: In der Geschichte von Disney ist «Frozen 2» der 58. Animationsfilm, aber erst die vierte Fortsetzung und das allererste Sequel eines sogenannten «animierten Musicals». Doch nicht die Aussicht auf einen weiteren Kassenschlager motivierte das Team von 2013, ihren Welterfolg fortzusetzen. «Anfang 2015 wurde uns bewusst, wie sehr wir diese Figuren vermisst hatten», erzählt Peter Del Vecho.

Das Team trug seine offenen Fragen zusammen: Woher bekam Elsa ihre Eiskräfte? Wie haben sich diese entwickelt? Warum hat Anna diese Kräfte nicht? Was ist mit den Eltern geschehen? Zudem stellten sie die Endgültigkeit des «Und wenn sie nicht gestorben sind»-Szenarios infrage. Der zweite Teil setzt einen Tag nach diesem Punkt ein. Der Entscheid für eine Fortsetzung war gefallen.

Bei Disneys Chefetage rannten sie mit dem Projekt für ein Sequel offene Türen ein und schürten Erwartungen bei den Fans. «Wir waren uns der Spekulationen und Wünsche für die Fortsetzung ebenso bewusst wie des ganzen Drucks, aber das mussten wir ausblenden», sagt Del Vecho. «Wir mussten die Reise unserer Figuren so fortsetzen, wie wir das für richtig hielten.»

Obwohl Anna die grosse Heldin im ersten Teil war: Elsa ist bei den Mädchen die Nummer eins.

Das Resultat dieser vierjährigen Reise mit Recherchen in Norwegen, Finnland und Island ist ab dem 20. November in den Kinos zu bewundern. Die Familien werden zweifellos in die Kinosäle strömen. Aber kann der zweite Teil den Hype des ersten wiederholen? «Wir haben unsere Herzen und Seelen in diesen Film gelegt», betont Del Vecho. «Aber: So gut wir den Film auch finden, am Ende entscheidet das Publikum.» Denn das Reizvolle am Filmgeschäft sei doch, dass es das garantierte Erfolgsrezept nicht gebe.

Hand aufs Herz: Es ist doch auch viel schöner, wenn man nicht alles erklären kann. Magie existiert also wirklich. 

*Quelle: npdgroup Deutschland GmbH, Retail Tracking Toys, Jahre 2015–2018.

«Das kann auch in die Hose gehen»

Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak Professorin für Populäre Literaturen und Medien; Kinder- und Jugend-medien an der Universität Zürich

Professorin Ingrid Tomkowiak (63) von der Universität Zürich erklärt, warum Elsa und nicht Anna von den Mädchen favorisiert wird und warum das Hellblau vielleicht bald durch Herbstfarben abgelöst wird.

Welche Zutaten braucht ein erfolgreicher Trickfilm?

Er braucht starke Figuren, mit denen man sich identifizieren möchte, eine interessante Ästhetik und komische Elemente wie den Schneemann Olaf bei «Frozen». Es braucht eine ernst- zunehmende Geschichte mit einer spannenden, dramatischen Handlung, die aber immer wieder durch komische Szenen aufgelockert wird. Und schliesslich braucht es dieses perfekte Zusammenspiel von visueller Ästhetik und Musik. Das war schon bei «Schneewittchen» so, dem ersten Langspielfilm von Disney. Er war nach dem Muster der in den 1930er-Jahren sehr erfolgreichen Hollywood-Musicals gedreht – aber eben als Zeichentrickfilm. Und natürlich war Disney auch immer am Puls der technischen Entwicklung. Bei jedem Film ist ein technischer Fortschritt erkennbar.

Warum hat genau dieser Disney-Film eine so lange Haltbarkeit? Wieso nicht Arielle, Rapunzel oder Merida?

Das ist wohl tatsächlich der äusseren Gestaltung der Figur Elsa geschuldet, die in der Tradition der klassischen Disney-Prinzessinnen daherkommt. Die Mädchen kennen natürlich diese Disney-Tradition. Warum der Film sich so lange hält, das hat wohl stark mit dieser beispiellosen Merchandising-Kampagne zu tun sowie mit der Tatsache, dass der Film in alle möglichen Medien übertragen wurde: Bilderbücher, App, Computerspiel, Hörspiel etc.

Im ersten Teil von «Frozen» ist eigentlich Anna die grosse Heldin. Dennoch ist Elsa die Nr. 1 bei den Mädchen. Wieso?

Bei den ganz kleinen Kindern kann ich das nicht erklären. Die etwas älteren, die schon einige solcher Geschichten gesehen haben, sind wahrscheinlich fasziniert davon, dass mal eine etwas andere Heldin gezeigt wird: eine kühle, mächtige und teilweise sogar grausame Frau – aber eben eine emanzipierte, unabhängige. Eine, die sich nicht aufopfert, sondern einfach ihren Weg geht. Vielleicht möchten die Mädchen auch mal mächtig sein. Wir bekommen heute ja die ganze Zeit eingeprägt, dass wir teamfähig sein sollen, mit allen nett sein müssen und so, da kann so etwas reizvoll sein.

Nun kommt die Fortsetzung ins Kino. Erwarten Sie denselben Erfolg?

Oh, das ist ganz schwierig. Das kann klappen, aber das kann auch in die Hose gehen. Gerade die zweiten Teile fallen oft ab. Oft ist ein dritter Teil dann wieder erfolgreicher. Das ist auch bei seriell angelegten Buch-Bestsellern so. Man kann Erfolge strategisch planen, aber das Publikum funktioniert nicht nur logisch.

Ab wann ist so ein Stoff ausgereizt?

Wenn sie im zweiten Teil eine gute Story haben, die greift, dann kann man das durchaus weiterführen. Und auch, wenn sie die Ästhetik der neuen Herbstfarben im Merchandising umsetzen, um das Hellblau abzulösen. Es braucht immer neue Impulse.

Wie wichtig ist die Anbindung an einen klassischen Stoff?

«Frozen» war ja ursprünglich als Verfilmung von Hans Christian Andersens Märchen «Die Schneekönigin» angedacht. Schliesslich entwickelte sich die Geschichte aber so, dass sie mit der «Schneekönigin» gar nichts mehr zu tun hatte. Früher war der Wiedererkennungs- effekt wichtiger als heute. Heute gelten Märchen nicht mehr so sehr als Kulturgut. Die Leute wollen einfach gute Unterhaltung.