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Heiler auf Samtpfoten

Mit 1,7 Millionen Exemplaren ist der Stubentiger das mit Abstand beliebteste Haustier in der Schweiz. Er sorgt für unser Seelenwohl und kann gar Herzinfarkte vermeiden.

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Getty Images
06. Mai 2019

Katzen jagen vier bis acht Stunden am Tag.

Cats

Weltberühmte Katzen

Etwa 7000 vor Christus beginnt sie, die Geschichte zwischen  Mensch und Katze. Seither faszinieren uns die Räuber auf Samtpfoten. Verarbeitet werden die gemeinsamen Erlebnisse in Literatur, Film, Comics, Musical, Showbiz und Markennamen. Mit über 50 Millionen Zuschauern gehört das Musical von Andrew Lloyd Webber zu den erfolgreichsten seiner Art. 

Sie haben nicht nur einen besonderen Stellenwert im Leben vieler Menschen. Katzen haben anscheinend auch den richtigen Riecher und in entscheidenden Momenten oft «ihre Pfoten im Spiel». «Ohne Nemo hätte ich manches anders gemacht. Es waren aber gerade diese Dinge, die mich dahin gebracht haben, wo ich jetzt bin», beantwortete beispielsweise Sir Harold Wilson (1916–1995) die Frage eines Journalisten. Dieser wollte vom ehemaligen britischen Premierminister wissen, warum er seinen Kater immer an seinen Amtssitz in der Downing Street mitnahm und grossen Wert darauf legte, dass er auf offiziellen Familienfotos mitposierte. Und auch sein bekannter Vorgänger Sir Winston Churchill (1874–1965), der Held des Zweiten Weltkriegs, machte keinen Hehl aus seinem Faible für die Schmusetiger. Sein schwarzer Kater «Lord Nelson» (benannt nach dem legendären Admiral) hatte gar einen eigenen Platz am Familientisch.

1 Jahr Katzenfutter zu gewinnen

Ist ihr Moritz ein besonders verschmuster Kater? Hat ihre Orphelia die putzigsten aller Tätzchen? Dann finden Sie das Siegerfoto ihrer Katze vielleicht schon bald in der Coopzeitung.

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Noch ein wenig extremer war übrigens Lord Nelson himself (1758 –1805). Also der Admiral. Er ging als regelrechte katzophile Persönlichkeit in die Geschichte ein. Daran soll sogar seine erste Ehe gescheitert sein. So wird überliefert, dass seine Frau als Scheidungsgrund vor Gericht die «Affenliebe des Lords zu Katzen» nannte. Klar, man kann jetzt denken, «die spinnen, die Briten», doch schon die alten Ägypter vergötterten die «Felis silvestris forma catus», so der wissenschaftliche Name der Hauskatze. Sie verehrten die kleinen Räuber, die ihre Getreidespeicher und Tempel mäusefrei hielten. Katzen wurden als heilige Tiere verehrt – sogar über deren Tod hinaus. Starb ein Tier, wurde es einbalsamiert, in Leinen gewickelt und wie ein Mensch begraben.

Drei Mal mehr als Hunde 

Die Liebe des Menschen zu Katzen hat sich über die Jahrtausende nicht abgeschwächt – im Gegenteil. Schätzungen zufolge gibt es weltweit etwa 500 Millionen Hauskatzen. Der grösste Anteil davon, mit ungefähr 75 Millionen Exemplaren, lebt in den USA. Aber auch in der Schweiz fühlen sich die Samtpfötchen pudelwohl. Laut dem Verband für Heimtiernahrung verteilen sich bei uns rund    1,7 Millionen Miezen auf 3,7 Millionen Haushalte (Stand Ende 2017). Will heissen: In jedem zweiten Schweizer Heim wohnt statistisch gesehen eine Katze.

Der gestiefelte Kater

Weltberühmte Katzen

Der gestiefelte Kater. Schon seit 1812 begeistert das Grimm-Märchen Jung und Alt.

Die Stubentiger sind somit das mit Abstand beliebteste Haustier in der Schweiz. Auf Platz zwei schaffen es die Hunde. Vom «besten Freund des Menschen» leben aber «nur» gerade etwas mehr als eine halbe Million in Schweizer Haushalten. Die Katzen übertrumpfen ihre «Erzfeinde» also um mehr als das Dreifache. Doch warum sind Katzen so beliebt? Katzenexperte Dennis C. Turner (71) erklärt es so: «Je urbaner der Mensch lebt und sich von der Natur entfernt, desto mehr sehnt er sich ein Stück davon zurück.» Und die Katze sei so ein natürliches Wesen. «Sie ist eigentlich ein Wildtier geblieben und könnte auch ohne Mensch überleben», fährt der schweizerisch-amerikanische Biologe fort. «Mit einer Katze holen wir uns ein Stück Natur in unser Wohnzimmer.»
Dennis C. Turner muss es wissen, gilt er doch weltweit als renommierter Katzenforscher. Er ist Präsident der IEMT Schweiz (Institut für Interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung), war bis 2013 Dozent für Heimtieretheologie an der Universität Zürich und ist Gastprofessor für tiergestützte Therapie an der Azabu-Universität in Japan. Neben diversen Studien veröffentlichte er auch das wissenschaftliche Werk «The Domestic Cat» (Cambridge University Press) – «die Katzenbibel», wie er das Buch selber nennt.

Choupette

Weltberühmte Katzen

Auch als Model erfolgreich: die französische Birma-Katze des Modedesigners Karl Lagerfeld (1933–2019).

 

Zum einen ist es also das «Back To Nature»-Gefühl, das uns an Katzen fasziniert. Zum anderen gebe es in unserer Gesellschaft immer mehr Singlehaushalte. «Katzen sind sehr selbstständig und leicht zu halten und somit die perfekten Haustiere für Alleinlebende», erklärt Turner, fügt aber an: «Dann sollten sie aber nicht als reine Haus- oder Wohnungskatzen gehalten werden.» Denn eine Katze benötige die Interaktion zu Artgenossen und/oder zum Menschen. In welchem Ausmass sie darauf angewiesen ist, entscheidet sich in ihren frühen Babyjahren. «Je länger die Neugeborenen bei ihrem Wurf bleiben, desto besser sind sie sozialisiert im Umgang mit ihren Artgenossen», erklärt Turner. Müssten sie ihre Geschwisterchen zu früh verlassen, würden es oftmals Einzelgänger. «Und wenn überhaupt, eignen sich diese am ehesten als reine Hauskatzen.»

Katzen belohnen ihren Halter

Garfield

Weltberühmte Katzen

Er hasst Montage, liebt Lasagne und begeistert seine Leser seit 1978.

Auch die Sozialisierung mit dem  Menschen passiere bei den Katzen zwischen ihrer zweiten  und siebten Lebenswoche. «Wenn sie in dieser Phase viel liebevollen Kontakt mit Menschen haben, sind sie normalerweise ein Leben lang zutraulich.» Turner ist sicher, dass eine Katze zum Menschen eine ebenso innige Beziehung aufbauen kann wie ein Hund. «Wir konnten an der Uni Zürich in einer Studie beweisen: Je mehr sich der Mensch der Katze widmet, desto mehr sucht diese die Interaktion.» Katzen seien ausgezeichnet darin, den Menschen zu trainieren. «Wenn wir ihre Wünsche wie beispielsweise Futter geben erfüllen, belohnen sie uns mit Kuschelattacken.»

Die Mensch-Katz-Beziehung beruht auf gegenseitigem Geben und Nehmen.

Ideale Begleiter für Depressive 

Grumpy Cat

Weltberühmte Katzen

Mit mürrischem Gesichtsausdruck zum Internetphänomen. 

Im Gegensatz zu einem Hund akzeptiere die Katze eher, wenn der Mensch keine Lust auf Interaktion habe. Der Hund hingegen sei ein voll soziales Tier und wolle so viel wie möglich bei seinem Herrchen sein. Turner vermutet daher, dass Katzen die idealeren Begleiter für Menschen mit Depressionen sind als Hunde. «Depressive Menschen möchten nicht ständig interagieren und ziehen sich öfters zurück.» Katzen würden dies spüren und auch akzeptieren. Lasse es der Mensch dann wieder zu, «streichen sie ihm um die Beine und ‹reden› mit ihm». Das sei auch der Grund, warum ein Drittel der psychiatrischen Praxen in den USA Katzen halten würden. Das habe man schon lange realisiert und Turner bewies das in einer eigenen Studie, dass die Anwesenheit der Stubentiger die Stimmung bei depressiven Menschen verbessern kann.  

Tom (und Jerry)

Weltberühmte Katzen

Die Kult-Cartoon-Serie flimmert seit 1940 über die TV-Bildschirme.

Katzen machen also glücklich! Aber nicht nur. Forscher des Minnesota Stroke Institutes USA fanden zudem heraus, dass Katzenbesitzer ein um ein Drittel geringeres Herzinfarktrisiko aufweisen als katzenlose. 4435 Erwachsene zwischen 30 und 75 Jahren nahmen an der zehnjährigen Untersuchung teil, wovon die Hälfte mit mindestens einer Katze zusammenlebte. Das Resultat: Mit 5,8 Prozent lag die Sterblichkeitsrate (Tod durch Herzinfarkt) bei den Personen, die nie mit einer Katze zusammenlebten, deutlich höher als bei den Katzenbesitzern (3,4 Prozent). Gemäss der Studie sind Katzen ein natürliches Antistressmittel. So senke das Streicheln Blutdruck und Puls. Zeitgleich steige die Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin, des Glückshormons, im Hirn an. Hinzu komme, dass das Schnurren der Katzen beruhigend wirke.

«Katzen bringen uns ein Stück Natur ins Wohnzimmer.»

Dennis C. Turner

Hello Kitty

Weltberühmte Katzen

Welches Mädchen hat kein T-Shirt mit der Figur der japanischen Firma Sanrio 

Das gleichmässige sonore Geräusch beim Ein- und Ausatmen der Katzen hat noch weitere Vorteile. Beobachtungen zeigen, dass Knochenbrüche bei Katzen deutlich schneller heilen als bei anderen Säugetieren. Dafür verantwortlich sollen die Vibrationen am Hals und am Brustkorb sein. Studien ergaben, dass bei einer Katzenschnurr-Frequenz von rund 25 Hz die Knochendichte zunimmt sowie die Heilung von Brüchen stimuliert  wird. «Eine ähnliche Technik wird auch in der Humanmedizin angewandt, erklärt Ingo Eisenbarth (49), Facharzt für Handchirurgie und Mitinhaber  der Praxis Orthopädie am Rhy in Basel. Auch beim Menschen versuche man mit therapeutischem Ultraschall Knochenheilungsstörungen zu unterstützen.
Katzen heben also die Stimmung, senken Blutdruck und Puls, verringern das Herzinfarktrisiko und eventuell heilt auch der gebrochene Finger rascher, wenn man seine schnurrende Katze oft streichelt. Good News gibts auch für Menschen ohne Katze. Eine weitere Studie, diesmal von der Indiana University Bloomington USA, belegt: Schon nur das Betrachten von Katzenvideos macht  glücklich. 

Kurz und bündig

  • Die Anwesenheit von Katzen kann das Herzinfarktrisiko um 30 Prozent verringern.
  • Stubentiger heben die Stimmung bei depressiven Menschen.
  • Durch ihr Schnurren heilen Knochenbrüche bei Katzen schneller als bei anderen  Säugetieren.
  • Katzen haben rund 100 verschiedene Laute im Repertoire.
  • Bis zu 16 Stunden schlafen Katzen am Tag.

«Beim Futter gibts keine Richtlinien»

Katzen sind selbstständig und leicht zu halten. Dennoch gibt es von Tierärztin Andrea Major einige Ratschläge für die Besitzer.

Frau Major, welche Katzennahrung empfehlen Sie? Trockenfutter, Nassfutter oder beides?

Da gibt es keine Richtlinien. Es kommt ganz auf die Vorliebe der Katze an. Treten jedoch medizinische Beschwerden  wie beispielsweise Harnstein oder Zahnprobleme auf, raten wir den Besitzern zu einer Absprache mit dem Tierarzt.

Und wie oft am Tag soll man seine Katze füttern?

Auch das ist abhängig vom Tier. Es gibt Katzen, die lieber zweimal essen, dafür kleinere Portionen, und solche, die eher auf grössere Mahlzeiten stehen – dafür nur einmal am Tag. Für den kleinen Hunger zwischendurch eignet sich ein Futternapf mit ein wenig Trockenfutter.

Welche Impfungen soll man für seine Katze in Betracht ziehen?

Wenn die Katze aus dem Haus geht, sicher die Leukose-Impfung. Und dann gibt es noch die sogenannte Kombi-Impfung. Darin enthalten sind Antigene gegen Parvovirose (Katzenseuche, Panleukopenie), Herpesvirus (Schnupfen, Augenentzündung) und Caliciviren (Fieber, Schnupfen, Maulentzündung).

Was kann man gegen die lästigen Zecken tun?

Da gibt es sogenannte Spot-on-Lösungen. Diese träufelt man der Katze in den Nacken. Als Prophylaxe hält dies rund einen Monat lang. Neuerdings gibt es eine Zeckenprophylaxe auch in Tablettenform. Diese hält rund drei Monate. Das Interesse der Zecken an der Katze bleibt zwar vorhanden, aber durch das Mittel sterben sie ab.

Soll man Katzen mit Auslauf kastrieren?

Heikle Frage! Aber wir empfehlen es offiziell. Ansonsten vermehren sie sich unverhältnismässig. Ich denke, als Tierbesitzer sollte man sich dieses Umstandes bewusst sein.

Gibt es Krankenkassen oder Versicherungen für Katzen?

Das gibt es, und zwar immer mehr. Da haben wir sehr gute Feedbacks von unseren Kunden. Vor allem Frakturen oder akute Traumata decken diese gut ab.

Was bringt es, die Katze zu chippen?

Wenn sie wegläuft oder beispielsweise angefahren wird, kann sowohl der Tierarzt als auch die Polizei den Chip ablesen und die Katze mit Ihnen in Verbindung bringen. Zudem gibt es auch immer mehr Katzentürchen, die man auf den Chip programmieren kann. Und auch Fressautomaten.

Wie alt können Katzen werden?

16 bis 18 Jahre liegen da schon drin. Dessen muss man sich bewusst sein.