X

Beliebte Themen

Jugend Extra

Online? Fast immer!

Die Neuen Medien und der Umgang damit ist bei den Coop-Lernenden ein grosses Thema. Sie erzählen, welche Rolle Instagram und Co. für sie spielen.

FOTOS
Kostas Maros; Illustrationen Bruno Muff; Infografiken Coop Content House
18. November 2019

Schnell und einfach: Für Lisa Turnsek ist Online-Shopping praktisch, weil sie immer und überall schauen kann, was ihr gefallen würde.

«Das Smartphone und andere digitale Geräte prägen das Leben von Jugendlichen wie uns Lernenden, die diese Ausgabe der Coopzeitung mitgestaltet haben. Wir gehören zu den Digital Natives, wachsen also mit der Digitalisierung und den Neuen Medien wie Computer, Smartphones und Tablets auf. Sie verschaffen uns Zugang zum Internet und ermöglichen uns, mit Leuten auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Wir nutzen sie aber nicht nur zur Kommunikation, sondern auch als Zeitvertreib.
Der Begriff Neue Medien ist jedoch, wenn man es genau überlegt, viel älter, als man denkt: Schon der Buchdruck um 1450 und auch das Fernsehen einige 100 Jahre später waren zu damaliger Zeit neue Medien, die vieles veränderten.Doch zurück zu heute: Welche Auswirkungen haben Geräte wie das Handy auf unser Leben? Wir haben einige 
Aspekte aus unserem Alltag zusammengetragen. Und David hat einen Neurowissenschaftler gefragt, was die Neuen Medien mit unserem Gehirn machen.»

Kleider aus dem Online-Shop

«Auch ich habe schon online eingekauft, weil es schnell geht und ich es überall machen kann. Zudem hat man mehr Auswahl, denn ein Laden kann nicht alle Produkte anbieten, die es gibt. Ich kaufe etwa ein Mal im Monat im Online-Shop ein, vielleicht sogar seltener. Ich kaufe vor allem Kleidung wie T-Shirts, Pullis oder Hosen online, manchmal auch Badebekleidung sowie elektronische Geräte und Zubehör. Für meine Hobbys wie Unihockey oder Tauchen habe ich auch schon Sachen online bestellt. Bei spezieller Bekleidung, Pflegeprodukten oder Möbeln gehe ich aber lieber ins Warenhaus, um mich persönlich beraten zu lassen. Denn das bekomme ich in einem Online-Shop nicht.»

Soziale Medien statt Reiseprospekt: David Lula lässt sich von den Bildern und Videos von Influencern für eigene Reisen inspirieren. 

Reiseideen von Youtube und Co. 

«Ich reise noch nicht allein, sondern mit der Familie. Als Allererstes muss der Zeitpunkt der Reise gewählt werden. Dies geschieht relativ früh, da ich selbst die Ferientage für das nächste Jahr im November beantragen muss. Ist der Zeitpunkt bestimmt, wird das Reiseziel gewählt. Das geschieht demokratisch. Die Ideen kommen bei mir von vielen Quellen. Auf YouTube habe ich zum Beispiel schon Videos gesehen von Orten, an denen Influencer gewesen sind. Aber auch Bücher, Serien und Filme liefern Reiseideen. Meine Top-Wunschreiseziele sind Athen und Island. Athen, da ich mich sehr für die griechische Mythologie interessiere, und Island, weil ich das Klima dort und die Natur sehr spannend finde. Wenn dann unser Reiseziel feststeht, wird online gebucht – zum Beispiel die Fähre, die uns von Frankreich nach England und zurück brachte.» 

Immer dieses Handy

«Wir nutzen das Handy von morgens bis abends und es prägt unseren Alltag – auch ich brauche es täglich. Sei es für die interaktive Kommunikation über Whatsapp oder Snapchat, um Bilder hochzuladen oder um zu sehen, was meine Idole  wie Sunrise Avenue oder Luca Hänni auf Instagram posten. Dabei nicht den Bezug zur Realität zu verlieren, ist wichtig. News lese ich meistens auf Online-Plattformen wie ‹20 Minuten›, denn sie sind immer brandaktuell. Gleichzeitig kann ich über Spotify meine Lieblingsmusik hören. Kochtipps oder Kochsendungen schaue ich neben dem Fernsehen auch im Internet nach. In meinem Beruf als Podologin, wo ich mehrheitlich mit älteren Menschen arbeite, sehe ich, dass diese häufig mit den neuen Technologien überfordert sind. Sie wünschen sich mehr Unterstützung oder Akzeptanz von den jüngeren Semestern. Im Gegenzug denke ich, wäre es schön, wenn die älteren Menschen auch akzeptieren, dass wir mehr am Handy sitzen als sie. Einen Nachteil der Digitalisierung finde ich, dass wir vieles gleichzeitig machen, allerdings unbewusst. Um dem entgegenzuwirken, nehme ich mir auch einfach mal Zeit für mich und  versuche, alles andere auszublenden.»    

Als Kommunikations- und Informationsinstrument sind soziale Medien heutzutage nicht mehr wegzudenken.

Die Favoriten im App-Store

«Am häufigsten nutze ich Whatsapp, YouTube, Instagram und die SBB-App. Es gibt aber einige weitere Apps, die ich sinnvoll finde und hier kurz vorstelle. 
Ecosia: Die Suchmaschine wirbt damit, dass sie alles mit nachhaltiger Energie betreibt. Nach einer gewissen Anzahl Suchanfragen wird sogar ein oder mehrere Bäume gepflanzt. Was ich auch noch cool daran finde, ist das Design.

Too Good To Go: Die App aus Zürich will verhindern, dass Lebensmittel im Müll landen. Von Pizza über Sushi bis zum Gipfeli findet man fast alles. Es ist sehr einfach: Ist ein grüner Punkt in der Nähe, kann man dort gegen einen kleinen Betrag Essen retten. Wir in der Jugendredaktion haben sehr gute Erfahrungen gemacht, da wir sehr viel Pizza retten konnten. ;-)

CodeCheck: Die ewige Suche auf der Produkte-Rückseite nach Inhaltsstoffen ist mühsam und langweilig. Mit einem kurzen Scan des Barcodes liefert «CodeCheck» praktisch alle Informationen zum gewünschten Produkt. Ich persönlich finde es noch spannend, dass die E-Nummern ausgeschrieben sind. Schlussendlich kommt raus, dass E 330 nicht mehr als Zitronensäure ist.» 

Die Nutzung neuer Medien variiert von Generation zu Generation – einige Merkmale lassen sich jedoch festhalten.

Unterhalter im Netz

«Bei uns Jungen reden alle nur noch von Influencern. ‹Der hat da wieder etwas gesagt und die hat dort wieder etwas gepostet›. Ich schaue täglich viele Beiträge von Influencern an. Meistens auf YouTube, da dort die Beiträge länger sind als auf Instagram. Es gibt in jedem Bereich Influencer, sei es Lifestyle, Ernährung, Gaming usw. Teilweise sind ihre ‹Fähigkeiten› sehr fragwürdig: Es gibt sogar Leute, die dadurch berühmt geworden sind, weil sie ihr Essen laut schmatzend essen. Influencer kann man in zwei Gruppen einteilen; jene, die vor allem auf YouTube aktiv sind, und jene, die in erster Linie Instagram nutzen. Während auf Instagram eher Fotos geteilt werden, gibt es auf YouTube Videos. Auch beim Inhalt, Content genannt, unterscheiden sich die Influencer: Die bekanntesten zwei sind hier Gaming und Lifestyle, also über Reisen, Schminken und mehr. Ich interessiere mich eher für Gaming, jedoch schaue ich auch gerne ab und zu Motorrad-Vlogs, etwa Moji oder Kuhlewu. Influencer sind für mich in erster Linie Unterhaltung. Bei den Games informiere ich mich über Neuheiten und kaufe sie mir ab und zu.»

Berufsbildung am Laptop

«Die Digitalisierung merke ich im Beruf extrem. In der Podologie-Praxis haben wir Computer für die Terminplanung und um alles zu dokumentieren. Und auch in der Berufsschule sind Computer der Alltag. Ich habe alle Lernbücher als E-Books auf dem Laptop. Das hat Vorteile: Ich muss weniger schleppen, habe alles an einem Ort und kann Papier und Druckerpatronen sparen. Darum ist es eine zukunftsorientierte Lösung. Aber es gibt auch viele Nachteile: Das Installieren der Programme hat viel Zeit und Nerven gekostet. Und wenn ein System noch nicht richtig funktioniert und ich dadurch vieles selbst herausfinden musste, weil niemand uns wirklich helfen konnte, nervt das ebenfalls. Ausserdem brauche ich zum Lernen ein Blatt Papier, um die Dinge zu verstehen und mir alles merken zu können. Deshalb sollte es möglich sein, beide 
Varianten in einem Schulsystem zu kombinieren.»

Lieber Computer als Smartphone

«Ich brauche mein Smartphone täglich etwa eineinhalb Stunden, am Wochenende sogar mehr. Ich nutze es jedoch kaum für soziale Medien, sondern mehr, um mich mit Freunden über Whatsapp zu unterhalten oder zu verabreden, für den Zugfahrplan oder um Bücher auf Kindle zu lesen. Ich lese vor allem Abenteuer-Romane, Fantasy oder Bücher mit Bezug zur Geschichte. Instagram, Snapchat und Co. nutze ich gar nicht, was in meinem Alter sehr ungewöhnlich ist. Jedoch bin ich regelmässig auf YouTube und informiere mich so zum Beispiel über neue Spiele und Filme. Die meiste Zeit verbringe ich jedoch nicht am Smartphone, sondern am Computer. Dieser hat den Vorteil, dass ich mir keine Sorgen um einen leeren Akku machen muss. Am PC spiele ich Spiele, die eine hohe Leistung erfordern und deshalb nicht auf dem Smartphone zu bewältigen wären.»   

Austausch übers Handy «Hast du den schon gesehen?»: Jan Etter (r.) zeigt Adrian Zambelli, was er gerade Neues entdeckt hat. 

Daten? Nur wenn wir uns kennen! 

«Ich gebe auf meine Daten sehr gut acht und nutze aus diesem Grund auch fast keine sozialen Medien. Vor allem bei Dingen, die mir suspekt vorkommen, und wo ich mich frage, wofür ich meinen Namen oder die E-Mail-Adresse angeben soll, überlege ich mir gut, ob ich die Daten herausgebe. Denn wenn einmal etwas über mich im Internet ist, bleibt es dort: Man kann im Internet nichts löschen oder nur mit sehr grossem Aufwand. Hinzu kommt, dass im Internet eine gewisse Anonymität entsteht. Gerade bei Onlinespielen, die ich sehr gerne und oft spiele, unterhält man sich auch mit anderen Spielern anonym. Das kann zwar eine tolle Sache sein. Doch meinen Namen und alle Daten, mit denen man mich direkt kontaktieren kann, gebe ich grundsätzlich nicht im Internet preis, sondern nur Personen, die ich auch im echten Leben kenne.»

Memes schweissen zusammen

«Ein Meme ist ein witziger Beitrag im Internet, meist in Form eines Bildes oder Videos. Um Memes zu verstehen, braucht man ein Hintergrundwissen und muss zum Beispiel das aktuelle politische Geschehen verfolgen, weil manche Memes sich darüber lustig machen. Es gibt verschiedene Arten von Memes. Beliebte Sujets sind Influencer, die in einen Skandal verwickelt sind, Tiere oder Klischees. Ich mag Memes am liebsten, die sich auf aktuelle Themen beziehen. Ich schaue mir Memes täglich auf Instagram und YouTube an und kann sie mir gar nicht mehr wegdenken. Ich tausche mich meistens mit meinen Freunden darüber aus, das schweisst die Gruppe zusammen.» 

Jan Etter

Jan Etter (16), Lernender Detailhandel Nahrungs- und Genussmittel im Coop Fallengatter Frauenfeld TG, ist ein wandelndes Meme-Lexikon. 

 

Lisa Turnsek

Lisa Turnsek (17), Lernende Podologie bei Per Piedi Basel, möchte ihre Handynutzung reduzieren und «freier» sein.

 

Adrian Zambelli

Adrian Zambelli (18), Lernender Detailhandel im Coop Bau + Hobby Rickenbach TG, hängt nicht oft am Handy, dafür umso länger am Computer.