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Titelgeschichte

Die guten Seelen

Freiwilligenarbeit ist im doppelten Sinne des Wortes unbezahlbar, denn ohne die zahllosen guten Geister wäre die Schweiz um einiges ärmer. Doch gute Taten können viele Gesichter haben.

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Kostas Maros, Peter Mosimann, Alain Intraina, Darrin Vanselow, Valentine Flauraud
20. Mai 2019

«Geben ist seliger denn Nehmen», heisst es in der Bibel. Keine Angst, das wird jetzt nicht das Wort zum Sonntag! Sondern ein Plädoyer für die Selbstlosigkeit. Ein Werbespot für die gute Tat. Ein Loblied auf die ehrenamtliche Tätigkeit. 

Es gibt viele Menschen, die sich für andere einsetzen. Und dies in einer ichbezogenen Zeit, in der viele nach Karriere, Geld, Macht, Materiellem, möglicherweise sogar nach Berühmtheit oder dem nächsten Kick streben. Dabei kann es auch ein Kick sein, anderen zu helfen, für sie da zu sein. Vielleicht ist das der grösste Kick überhaupt. «Menschen, die eine gute Tat tun, erleben Freude und sind glücklich, jemandem geholfen zu haben», sagt Prof. Udo Rauchfleisch (76), ehemals Dozent für Psychologie an der Universität Basel und heute Gastprofessor an verschiedenen in- und ausländischen Unis und Hochschulen. «Diese Freude ist völlig legitim, obwohl es bei guten Taten ja eigentlich um selbstloses Tun geht.»

Dem kranken Nachbarn eine warme Mahlzeit vorbeibringen, für die gebrechliche Mutter einkaufen gehen, einer wohltätigen Institution Geld spenden, in finanzielle Not geratenen Freunden die Miete bezahlen, beim Sportverein in der Club-Beiz helfen, in einer Suppenküche arbeiten. Manche opfern sogar ihr Leben für andere. So geschehen vor einigen Jahren in Gümligen BE, als eine Grossmutter ihren zweijährigen Enkel durchs Fenster ihres brennenden Hauses einem Nachbarn reichte – sie selbst und ihr Mann starben. Aussergewöhnliches trug sich auch 2016 im Bezirksgericht Zofingen AG zu: Die Angehörigen einer tödlich verunglückten Frau nahmen den gebrochenen LKW-Chauffeur tröstend in die Arme; er hatte die Frau überfahren und 500 Meter weit mitgeschleift, ohne den Unfall zu bemerken. 

Was ist eine gute Tat?

Die Wissenschaft kennt im Zusammenhang mit guten Taten zwei Begriffe: «Altruismus» stammt vom lateinischen Wort «alter» für «der Andere» ab und steht für selbstloses Handeln. «Philanthropie» setzt sich aus den altgriechischen Worten «philos» für «Freund» und «anthropos» für «Mensch» zusammen. Philanthropen sind also Menschenfreunde. «Wir verstehen unter Philanthropie jede freiwillige, private Handlung für einen gemeinnützigen Zweck», erklärt Prof. Georg von Schnurbein (42), Direktor des Center for Philanthropy Studies der Universität Basel (CEPS). «Das bedeutet, dass Philanthropie nicht abhängig ist von Reichtum oder gesellschaftlicher Stellung.» Es muss also nicht jeder und jede ein Bill (63) oder eine Melinda Gates (54) sein, die die grösste Privatstiftung der Welt ins Leben gerufen haben, in die bislang 37 Milliarden Dollar flossen. 

Philanthropie, ehrenamtliche Tätigkeit, selbstloses Handeln – alles dasselbe oder doch nicht? «Das ist schwierig zu differenzieren, weil die Begriffe überlappen», erklärt Georg von Schnurbein. 

«Ehrenamt ist eine Funktion, in die man gewählt wird und die man ohne Bezahlung erfüllt. Es ist also Freiwilligenarbeit und somit Teil der Philanthropie. Selbstloses Handeln geht darüber hinaus, denn gerade im persönlichen Umfeld gibt es viel selbstloses Handeln, ohne dass es gleichzeitig als gemeinnützig anzusehen ist.»

Eine gute Tat passiert dort, wo jemand anderen hilft, ohne Erwartung einer Gegenleistung. Und sie passiert sehr oft, denn in der Schweiz werden jährlich über 665 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit geleistet. Das entspricht rund 7477 Jahren und zwei Monaten! Das Bundesamt für Statistik nennt 41 Milliarden Franken als Gegenwert dafür. Zum Vergleich: Das Budget des Bundes für das Jahr 2019 beträgt gut 72 Milliarden Franken. Doch damit nicht genug, denn Georg von Schnurbein schätzt, dass pro Jahr circa vier Milliarden Franken von privater Hand an gemeinnützige Zwecke fliessen. «Im internationalen Vergleich belegt die Schweiz regelmässig einen Spitzenplatz, was das gemeinnützige Engagement betrifft», so der Philanthropie-Forscher.

Lange Tradition

Selbstloses Verhalten ist in allen Kulturen bekannt, alle Weltreligionen preisen es. Untersuchungen zeigten zudem, dass schon Babys hilfsbereit sind. Entscheidende Bedeutung kommt aber der Erziehung zu. Und es gibt noch weitere Faktoren: So finden manche Menschen, sie hätten in ihrem Leben viel Glück gehabt und möchten der Gesellschaft deshalb etwas zurückgeben. Ein Beispiel dafür ist Tennis-Superstar Roger Federer (37), der mit seiner Stiftung Bildungsprojekte im südlichen Afrika unterstützt – seine Mutter Lynette (67) stammt aus Südafrika. Bekannte Schweizer Philanthropen waren Rotkreuz-Gründer Henri Dunant (1828–1910) sowie Christoph (1800–1858) und Margaretha Merian (1806–1886), die ihr gesamtes Vermögen der Stadt Basel vermachten, damit es für wohltätige Zwecke eingesetzt werde. Oder Luc Hoffmann (1923–2016), ein Spross der Roche-Gründerfamilie, der Mitgründer des World Wildlife Funds (WWF) war und weitere Naturschutzstiftungen schuf. Heute prägen das Bild der Schweizer Philanthropie Leute wie die Unternehmer Hansjörg Wyss (83), Stephan (71) und Thomas Schmidheiny (74), Carolina Müller-Möhl (50) sowie die Roche-Besitzer-Familien Hoffmann und Oeri. «Ich finde es jedoch zu einseitig, wenn man sich nur auf das grosse Geld konzentriert», erklärt Georg von Schnurbein. «Philanthropie ist für die Gesellschaft dann wertvoll, wenn sie breit abgestützt ist und in vielen Gelegenheiten und Situationen etwas zur Verbesserung der Lebensumstände beiträgt.» Wir alle können also Wohltäter sein – unabhängig von Vermögen, Alter, Herkunft, Bildung, Beruf oder sozialer Stellung.

Wichtig für die Gesellschaft

Gute Taten können aber auch weniger erfreuliche Seiten haben. So besteht die Gefahr, dass die Gutmütigkeit der Menschen ausgenutzt wird. Das Gegenteil ist ebenfalls möglich, denn einzelne Wohltäter haben nicht ganz selbstlose Beweggründe: Sie wollen bewundert werden, erhoffen sich durch ihr Tun vielleicht sogar gesellschaftliche oder berufliche Vorteile. «Es ist ein Widerspruch, wenn jemand selbstlos und zugleich aus reinem Eigennutz handelt. Ist der Eigennutz das eigentliche Motiv, handelt es sich um keine gute Tat im Sinne des selbstlosen Handelns mehr», erklärt Udo Rauchfleisch. Aber es ist menschlich, findet Georg von Schnurbein: «Es liegt in unserer Natur, Altruismus und Egoismus zu verbinden.» Den «Empfängern» der guten Tat kann dies allerdings herzlich egal sein, denn ihnen hilft die Unterstützung so oder so.

«Eine philanthropische Einstellung, ehrenamtliche Tätigkeiten und gute Taten sind sehr wichtig für die Gesellschaft», resümiert Udo Rauchfleisch. Da stimmt ihm Georg von Schnurbein zu: «Die verschiedenen Formen der Philanthropie sind ein bedeutender Baustein für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Wenn wir nicht bereit sind, uns für andere einzusetzen, dann funktioniert unsere Gesellschaft nicht.» 

Freude an der Dankbarkeit

Ursina Schwab (50), Samariterin beim Samariterverein Grindelwald BE

Eigentlich wäre Ursina Schwab prädestiniert gewesen, schon von Kindesbeinen an Samariterin zu sein, waren doch ihre Eltern im Samariterverein engagiert, der Rettungsorganisation des Roten Kreuzes. «Doch damals interessierte mich das nicht.» Das Bedürfnis, es ihren Eltern gleichzutun, wurde erst durch ihren Mann geweckt, der früher Ambulanzfahrer war und ebenfalls Samariter ist. Seit 2008 ist Ursina Schwab nun Mitglied des Samaritervereins Grindelwald BE, wo sie seit 2012 für die Blutspende-Aktionen im Frühling und im Herbst verantwortlich ist. Sie bereitet dort jeweils alles vor und bewirtet die Spenderinnen und Spender nach der Blutentnahme. «Darüber hinaus  stehe ich an vier bis sechs sportlichen Anlässen pro Jahr im Einsatz, beispielsweise am Jungfrau-Marathon, am Eiger Ultra Trail, der Eiger Bike-Challenge oder dem Trucker & Country-Festival Interlaken», erzählt sie. Ursina Schwab empfindet grosse Befriedigung, wenn sie bei solchen Veranstaltungen jemandem helfen kann, der Schmerzen hat oder sich eine Verletzung zugezogen hat. «Es ist schön, die Dankbarkeit der Betroffenen erleben zu dürfen, wenn es ihnen wieder besser geht.» 

Dass der Einsatz an Sport-Grossanlässen bis zu zwölf Stunden dauert, stört Ursina Schwab wenig. Wenn sie danach heimkommt, ist sie zwar müde, aber vollkommen zufrieden. Ganz besonders wichtig ist ihr die Zusammenarbeit mit den anderen Samariterinnen und Samaritern: «Wir sind ein Team, und ohne die anderen geht es nicht.» Neben den ehrenamtlichen Einsätzen, den Übungen und den Weiterbildungen kommt im Verein auch die Geselligkeit nicht zu kurz – das Zusammensein mit den Kolleginnen und Kollegen schätzt die Frau, die beruflich im Verkauf und im Gastgewerbe tätig ist, ebenfalls sehr. Ihr Engagement hat offenbar auch ihre Kinder beeindruckt. Denn bereits ist die nächste Generation mit Feuereifer dabei: Seit diesem Jahr ist Ursina Schwabs älterer Sohn Ivan (31) Präsident des Samaritervereins Grindelwald – und damit ihr Chef. 

Weitere Informationen hier: https://www.tag-der-guten-tat.ch/srk

 

Helfen und Verschwendung verhindern

Bruna Bernasconi (74), Leiterin von Tischlein deck dich in Chiasso TI

«Die Solidarität mit den Schwächsten liegt in meiner DNA», sagt Bruna Bernasconi. Um die Leiterin des Tischlein deck dich in Chiasso TI gibt es viel Bewegung. Wie jeden Dienstag besuchen die Besitzer einer speziellen Kaufkarte die Turnhalle der alten Schule, um Obst, Gemüse und andere Lebensmittel zum symbolischen Preis von einem Franken zu erhalten.

Es ist 14 Uhr, aber der LKW aus dem Verteilzentrum Castione TI ist noch nicht angekommen. Die bereits wartenden Familien müssen sich also gedulden. «In Chiasso und den umliegenden Gemeinden gibt es 800 Menschen, die diesen Service nutzen – etwa 60 von ihnen müssen unter der Armutsgrenze leben», erklärt die ehemalige Primarlehrerin Bernasconi. Zahlen, die so gar nicht ins Bild der reichen Schweiz passen. «In unserem Land leben 650 000 Menschen unter der Armutsgrenze. Eine Realität, die vielen Augen verborgen bleibt. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, fürs Tischlein deck dich zu arbeiten.»

Das Essen kommt an. 30 Freiwillige entladen den Transporter und stellen die Lebensmittel auf die Tische. «Pro Woche etwa eine Tonne Esswaren», so Bernasconi. Es gibt 14 Verteilzentren der Organisation im Tessin, seit September 2011 auch in Chiasso.  

«Ich mache das, um Bedürftigen zu helfen, aber  auch, weil dies die Verschwendung von Lebensmitteln und den Abfall reduziert», erklärt die Chefin, während immer wieder neue Menschen den Raum betreten. «Ein weiterer Punkt ist die Solidarität unter den Bedürftigen. Sie tauschen Lebensmittel aus und sorgen dafür, dass jeder und jede etwas von allem haben kann.» Sie findet diese Offenheit erfreulich. «Am Anfang war es jedoch nicht einfach. Der syrische Kurde, der syrische Christ, der arabische Muslim und der Eritreer hielten Abstand, sie waren vorsichtig.» Doch dank der Bemühungen der städtischen Institutionen, der lokalen Pfarrei sowie von Tischlein deck dich befindet man sich inzwischen im Dialog und in der Integration auf gutem Weg.

Weitere Informationen hier: https://www.tag-der-guten-tat.ch/tischlein-deck-dich

 

Eine lohnende Sache

Cloé Brachotte (28), Biodiversitäts-Koordinatorin beim WWF Waadt

«Was ich an guten Taten mag, ist, bei null anzufangen und dann gemeinsam etwas Konkretes zu tun», erklärt Cloé Brachotte. Sie hat einen Master in Biologie und koordiniert die Aktivitäten des WWF Waadt im Bereich Biodiversität. Eine ehrenamtliche Tätigkeit, die sie seit Anfang des Jahres ausübt.

Cloé wohnt zusammen mit ihrer Lebenspartnerin Lucie (28) und ihren zwei Katzen in Lausanne-Ouchy VD, wenige Schritte vom Genfersee entfernt. Wenn man auf die Kieselsteine am Seeufer blickt, sieht man Lollistängel, Verpackungen, Zigarettenkippen. «Die grösste Abfallquelle sind Picknicks. Nachhaltiger wäre es, Mehrweggeschirr und -besteck zu verwenden. Dafür braucht es ein wenig Organisation, aber Mehrweggeschirr ist so viel besser, als immer alles wegzuwerfen.» Hilfreich sei auch ein letzter Blick vor dem Verlassen des Ortes, um zu sehen, ob nichts liegen geblieben ist. «Wenn der öffentliche Abfalleimer überläuft, ist es wichtig, den Müll zum nächsten Kübel zu bringen, denn sonst bläst ihn der Wind in die Natur.»

Cloé Brachotte, die auf dem Land aufgewachsen ist, legt grossen Wert auf den Respekt vor der Umwelt. Für den 25. Mai hat sie sich Folgendes in die Agenda eingetragen: Freiwillige versammeln, um den Strand von Préverenges VD zu reinigen (Anmeldung beim WWF Waadt). «Dank einer Maschine der Vereinigung ‹Prescious Plastic Léman› werden die gefundenen Kunststoffe in Objekte verwandelt.» 

So bekommt der Abfall ein zweites Leben geschenkt. Den Reiz der Freiwilligenarbeit 
entdeckte die junge Frau vor einem Jahr, als sie an Aktionen wie dem Pflanzen einheimischer Hecken für die Tierwelt teilnahm. «Früher verstand ich nicht, warum Menschen umsonst arbeiten. Jetzt weiss ich, dass man selbst etwas davon hat: die Zufriedenheit, etwas Nützliches getan zu haben und zu helfen. Es ist eine unglaublich lohnende Sache, die jeder und jede ausprobieren sollte.» Cloé Brachotte rät, sich an seinen Lieblingsverein zu wenden und Hilfe anzubieten. Allein, zusammen mit der Familie oder mit Freunden – alle können etwas tun.   

Weitere Informationen hier: https://www.tag-der-guten-tat.ch/wwf

 

Aktiv bleiben und Gutes tun

Eduard Walter (70), Freiwilliger bei der Schweizer Tafel im Kanton Waadt

«Es ist fast Weihnachten», scherzt Eduard Walter, als er im Lager des Coop-Centers in Vevey VD ankommt. Der Rentner arbeitet seit acht Jahren für die Schweizer Tafel im Kanton Waadt. «Jeden Mittwoch, im Sommer ebenso wie im Winter, einschliesslich Weihnachten und Silvester», sagt er. «Wir suchen noch Leute, damit wir unsere Tour ausweiten können!» Bislang besteht das Team aus zehn Personen, die sich während des ganzen Jahres für die Institution engagieren, jeweils drei pro Tag stehen im Einsatz.

Eduard – er möchte, dass man ihn duzt – möchte aktiv bleiben und gleichzeitig gemeinnützig tätig sein. «Ich wollte etwas für die Menschen in meinem Land tun und den Effekt sofort sehen», sagt er. Um 7 Uhr früh hat er seine Tour in St. Sulpice VD bei Lausanne begonnen und nach einem detaillierten Zeitplan Spender wie Coop angesteuert, die kistenweise Lebensmittel abgeben. Eduard Walter fährt im Kühlwagen vor und tauscht die leeren Kisten von der letzten Tour gegen volle. Einladen, Ladeklappe schliessen, weiter geht es. Nach ungefähr fünf Minuten ist er jeweils wieder zurück auf der Strasse. «Ich und meine Kolleginnen und Kollegen sammeln ungefähr eine Tonne Lebensmittel pro Tag ein», erzählt er. «Am Abend sind wir dann alle sehr müde.»

Sobald er genügend Ware geladen hat, fährt Eduard zu den Begünstigten, die ihn bereits erwarten. Er öffnet die Türen seines Transporters, damit die Köche der 90 Institutionen sich das kostenlose Angebot ansehen können. Diejenigen, die am Ende davon profitieren, sind sozial benachteiligte Personen und Menschen in Not: beispielsweise Kinder, Arme, Flüchtlinge, Suchtkranke. «Diese Seite unserer Gesellschaft war neu für mich», sagt Eduard. «Manchmal ist es schwer, Menschen in solchen Situationen zu sehen.»

Jeder und jede Freiwillige bei der Schweizer Tafel Region Waadt wird von einer arbeitslosen Person im Reintegrations-Programm unterstützt. Heute ist Ruben Blazquez (38) bei Eduard. «Ich arbeite lieber, als nichts zu tun», sagt er. Freiwilligenarbeit ist auch eine Möglichkeit zu lernen, Menschen kennenzulernen und sinnvolle Arbeit zu leisten – egal wo.

Weitere Informationen hier: https://www.tag-der-guten-tat.ch/schweizertafel

 

Eine Schule fürs Leben

Dominique Hänggi (20), Wölfli-Leiter bei der Pfadi Adler von Pratteln BL/Muttenz BL

Jeden zweiten Samstag hütet er drei Stunden lang Flöhe. Seit etwa fünf Jahren ist Dominique Hänggi Wölfli-Leiter, also «Chef» von 30 sechs bis zehn Jahre alten Kindern. «Klar ist das anstrengend und am Abend bin ich auch k.o., doch es ist eine wohlige Müdigkeit», sagt er. Es sei ein toller Ausgleich zu seinem Schulalltag – in einem Jahr wird der junge Mann aus Muttenz BL die Matura machen. Zusammen mit der Vorbereitung und den Leitertreffen investiert «Goofy», so Dominique Hänggis Pfadiname, durchschnittlich acht bis neun Stunden pro Woche in die Pfadi. Das Leiterteam sei wie eine zweite Familie für ihn.

«Meine grösste Motivation ist es aber, ein Vorbild für die Kinder zu sein. Ihnen beizubringen, dass man anderen Menschen hilft, wenn diese Hilfe benötigen», sagt er. Natürlich gehört auch eine Menge Spass dazu: «Die Wölfli lachen zu sehen, in ihre fröhlichen Gesichter zu blicken, ist die Belohnung für meinen Einsatz.» 

Toll findet er auch, mit den Buben und Mädchen zusammen Zeit in der Natur zu verbringen, ihnen die Naturverbundenheit weiterzugeben. Das kommt nicht von ungefähr, steht Dominique Hänggis Elternhaus doch direkt am Waldrand. Draussen zu sein ist ihm also schon seit seiner Kindheit sehr wichtig.

Die ehrenamtliche Tätigkeit liegt dem Gymnasiasten quasi im Blut: Seine Eltern engagieren sich in Vereinen, seit er denken kann. «Zudem gibt es bei uns im Quartier Fron-Tage, an denen alle Fronarbeit leisten. Wir reinigen beispielsweise Weiher, kärchern Wege, schneiden Pflanzen und Büsche.»

Die Pfadi macht Goofy unheimlich Spass. Er ist überzeugt, dass sie auch eine Schule fürs Leben ist: «Wenn ich später einmal Kinder habe, werde ich bestimmt nicht so schnell überfordert sein.» Zudem könne man sich Führungsfähigkeiten aneignen. Die wird er später auch im Berufsleben gut brauchen können. Es überrascht nicht, dass Dominique Hänggi Primarlehrer werden möchte. Dass er Kindern etwas beibringen kann und sie im Griff hat, beweist er bei jedem Wölfli-Treffen.

Weitere Informationen hier: https://www.tag-der-guten-tat.ch/pfadi